Ich habe vom 8.3. bis zum 14.3.2019 die Hardangervidda von Süd nach Nord durchquert. Gestartet bin ich im Süden bei der Haukeliseter Fjellstue und beendet habe ich die Tour in Finse, wo ich noch einige Tage in der DNT Finsehytta verbracht habe. Dabei war ich mit Backcountry Langlaufski und Pulka unterwegs. Beschreibungen der einzelnen Etappen finden sich bei den Tagesberichten.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass eine Überquerung der Hardangervidda im Winter aufgrund der extremen Wetterumschwünge, der langen Tagesetappen und des weitläufigen Geländes ohne Notausstiege ein sehr anspruchsvolles und vor allem auch anstrengendes Unternehmen ist.

Tagesberichte, Bilder & Videos

Tag 1: Von Haukeliseter bis zum See Årmotvatni; 16,8 km / 870 hm – GPS-Track
Tag 2: Vom See Årmotvatni bis Hellevassbu; 12,1 km / 140 hm – GPS-Track
Tag 3: Von Hellevassbu bis Litlos; 20,6 km / 510 hm – GPS-Track
Tag 4: Von Litlos bis Sandhaug; 25,6 km / 485 hm – GPS-Track
Tag 5: Von Sandhaug bis zur Dyranut; 23,2 km / 930 hm – GPS-Track
Tag 6: Von der Dyranut bis zum See Finnsbergvatnet; 18,4 km / 440 hm – GPS-Track
Tag 7: Vom See Finnsbergvatnet bis Finse; 20,7 km / 370 hm – GPS-Track

Tagesbericht: Hinauf auf den Hardangerjøkulen

Übersichtskarte der Etappen

Körperliche & mentale Vorbereitung

Da eine Wintertour auf der Hardangervidda körperlich und mental (besonders wenn man alleine unterwegs ist) anstrengend ist, sollte man sich im Vorfeld entsprechend vorbereiten. Meine Vorbereitung bestand aus Radfahren und „Reifenschleifen„. Vor allem Letzteres ist eine super Möglichkeit um die beim Ziehen einer Pulka beanspruchten Muskelgruppen im Rumpf und den Beinen zu trainieren. Natürlich sollte man vorher auch schon einmal auf Langlauf- oder alpinen Tourenski gestanden haben.

Zu einem professionellen mentalen Training kann ich leider nicht viel sagen. Mir hilft auf Tour eine ausgewogene Playlist auf dem MP3-Player sowie ein Notizbuch in dem ich meine Gedanken festhalten kann. Darüber hinaus kann ich das Buch „Klettern – Technik | Taktik | Psyche“ aus der Reihe der Alpinlehrpläne des DAV empfehlen. Der Buchabschnitt über Kletterpsyche kann bestimmt auch zum Teil auf andere Herausforderungen angewandt werden. Zumindest mache ich das so. 😉

An- & Abreise

Die Anreise erfolgte bequem mit dem Flugzeug von Frankfurt nach Oslo Lufthavn. Vom Flughafen in die Stadt kommt man entweder mit der Regionalbahn, oder etwas schneller (aber auch teurer) dem Flygtoget. Anschließend ging es weiter mit einem Überlandbus von NOR-WAY Bussekspress nach Haukeliseter. Die Rückreise erfolgt von Finse mit der Bergenbahn der NSB zum Flughafen von Oslo. Anschließend bestieg ich wieder den Flieger nach Frankfurt. Geflogen bin ich beide Richtungen mit Lufthansa.

Gepäck

Mein Gepäck für die Vidda
Mein Gepäck für die Vidda

An Gepäck habe ich neben der Pulka (22,5 kg), Ski & Stöcke (4 kg) und Nahrung (13 kg) noch einen 35 L Rucksack als Handgepäck mitgeführt. Die Ski hatte ich in einem Skisack auf die Pulka geschnallt und als ein Gepäckstück aufgegeben. Die Nahrung habe ich in einem Packsack als extra Gepäckstück eingecheckt. Vorher habe ich natürlich Übergepäck bei der Airline telefonisch angemeldet. Durch die kulante Behandlung meines Gepäcks seitens Lufthansa habe ich auf dem Hinweg nur 80 EUR und auf dem Rückweg bei SAS in Oslo 120 EUR zuzahlen müssen. Streng genommen wären pro Route 210 EUR Übergepäck fällig gewesen (Stand April 2019).

Der Benzinkocher wurde mit entleerter und gereinigter Brennstoffflasche ohne Anmeldung problemlos befördert. Ich habe beim Check-In nicht auf den Kocher hingewiesen.

Beim Überlandbus habe ich 200 NOK extra für die Pulka zahlen müssen. Weiterhin hätte ich wohl auf der Rückfahrt mit der Bergenbahn die Pulka bei der NSB anmelden müssen. Nun ja, ich wurde auch so mitgenommen und konnte die Pulka, nach einer Belehrung durch den Zugbegleiter, kostenlos im Gepäckwagon deponieren.

In Oslo

Schließfächer für Ski im Bahnhof von Oslo
Schließfächer für Ski im Bahnhof von Oslo

Ich hatte während der An- als auch der Abreise einen mehrstündigen Zwischenaufenthalt im Zentrum von Oslo. Dort habe ich alles besorgt was ich nicht auf dem Flug mitnehmen konnte. Vornehmlich waren das Benzin für den Kocher und einen DNT-Schlüssel für die Hütten auf der Hardangervidda. Ich habe den DNT-Schlüssel bei keiner Hütte benötigt, da alle unverschlossen waren. Ich würde mich aber nicht darauf verlassen!

Im Hauptbahnhof von Oslo gibt es Schließfächer für Ski (80 NOK/Tag) in die mit etwas Gequetsche auch meine Pulka gepasst hat. So habe ich mich ohne viel Gepäck in der Stadt bewegen können und konnte die dortigen Stunden richtig gut nutzen. Super!

Reisezeit

Die Markierung der Winterwege durch Kviste gibt auch bei schlechter Sicht einen Anhalt wo es lang geht
Die Markierung der Winterwege durch Kviste gibt auch bei schlechter Sicht einen Anhalt wo es lang geht

Ich habe meine Tour im März unternommen. Hierfür sprachen die ausreichende Tageszeit, das stabilere Wetter gegenüber Januar und Februar sowie die Tatsache, dass trotzdem noch sehr wenig auf der Hardangervidda los ist. War ich doch gezielt auf der Suche nach Isolation.

Nachteilig ist natürlich, dass im Notfall Hilfe lange auf sich warten lassen kann (kein Handyempfang!!) sowie die Tatsache, dass große Teile des Winterwegenetzes noch nicht „gekvisted“, sprich mit Birkenzweigen markiert sind. Entsprechend defensiv sollte man sich verhalten. Man muss besonders im Süden der Hardangervidda noch selbst navigieren können! Der routinierte Umgang mit Karte, Kompass und GPS sollten für eine solche Tour eine Selbstverständlichkeit sein!

Eine Übersicht wann welche Wege markiert werden findet sich auf der Seite des DNT Oslo og Omen. Der Link direkt zur Übersicht wird jährlich neu erstellt. Daher am besten unter Neuigkeiten (Nyheter) schauen oder nach „Kvistekartet“ suchen.

Karten

Ich habe für die Süd-Nord-Querung der Hardangervidda folgende Karte verwendet:
Turkart 2558: Hardangervidda Vest 1:100.000, 27,95 EUR

Der große Maßstab war im Gegensatz zum Sommer kein Nachteil und die Karte von der Genauigkeit völlig ausreichend. Ergänzend habe ich auf meinem Garmin GPSMap 62s die Opentopomap als Vektorkarte geladen. Die Route habe ich in der GPS-Software QuoVadis von der Papierkarte nachgezeichnet und auf dem GPS-Gerät verwendet.

Jahreszeittypische Ausrüstung

Die Regeln für eine Tour im Fjell - ruhig mal übersetzen
Die Regeln für eine Tour im Fjell – ruhig mal übersetzen

Wenn man im Winter unterwegs ist benötigt man zwangsläufig zusätzliche Ausrüstung zum Sommer. Durch die Kälte droht bei unsachgemäßer Ausrüstung in kurzer Zeit der Tod. Daher ist besonders eine mehrtägige Wintertour nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und bedarf einer gewissenhafteren Vorbereitung als eine Unternehmung im Sommer. Es ist auf ausreichend Wetter- und Kälteschutz zu achten. Dinge wie Sturmmaske, lange Unterwäsche, Schneeschaufel, Sonnenbrille, Schneebrille, zwei unterschiedliche warme Paar Handschuhe, extra warmer Schlafsack, eine zusätzliche Garnitur gefütterte warme Kleidung und vieles weiteres gehören auf jeden Fall zusätzlich ins Gepäck. Auch Notfallausrüstung wie ein Biwaksack und ein umfangreiches Erste-Hilfe-Set sollte man dabei haben und anzuwenden wissen.

Man packt immer mit dem Hintergedanken, was mache ich wenn ich völlig durchnässt bin oder mein „Primärausrüstungsstück“, wie z. B. das Zelt im Sturm davon fliegt oder irreparabel beschädigt wird.

Pulka vs. Rucksack

Diese ganze Ausrüstung will mitgeführt werden und besonders wenn man im Winter campen möchte kommt man um den Transport mit einer Pulka nicht herum. Eine Selbstbauanleitung für eine Pulka kannst Du hier auf meinem Blog einsehen.

Möchte man auf einer Wintertour nicht campen sondern nutzt ausschließlich das hervorragende Hüttennetz des DNT auf der Hardangervidda, kann man auch mit einem großen Rucksack erfolgreich unterwegs sein. Hier gilt jedoch auch alles Notwendige für ein Notbiwak (u.a. Biwaksack, Schlafsack, Notkocher) dabei zu haben. Die Abstände der Hütten zueinander sind auf keinen Fall zu unterschätzen und bei schlechtem Wetter kann es auch bei einer Hüttentour schnell brenzlig werden!

Ski vs. Schneeschuhe

Backcountry Langlaufski sind auf der Vidda erste Wahl!
Backcountry Langlaufski sind auf der Vidda erste Wahl!

Um sich in unpräpariertem Schnee zu bewegen benötigt man entweder Ski oder Schneeschuhe. Alles andere ist de facto nicht möglich! Auf der Hardangervidda sieht man zu 98% Backcountry (BC) Langlaufski. Vereinzelt trifft man auch auf Tourengeher mit alpinen Tourenski. Ich habe beides und kann für eine Wintertour auf der Vidda nur die BC-Langlaufski empfehlen. Sie laufen einfach kraftschonender, sind schneller und die Schuhe deutlich bequemer. Zu den von mir verwendeten Langlaufski Fischer E99 habe ich einen gesonderten Artikel geschrieben. Schau einfach mal rein!

Auf dieser Übersichtsseite kann ich leider keine ausführliche Einleitung für das Thema Wintercamping geben. Wenn Du Interesse an einer Wintertour hast und Dir unsicher bist ob den damit verbundenen Herausforderungen gewachsen bist, möchte ich Dir nahe legen Dich bei Deiner örtlichen DAV-Sektion zu engagieren. Dort kannst Du in Kursen und geführten Touren in den Alpen das notwendige Wissen erwerben.

Beschaffenheit des Geländes

Distanzen, Höhenmeter & Zeitangaben

Die Hardangervidda ist schroffer als es die Karte vermuten lässt. Nachdem ich bereits im Jahr 2013 die Beschaffenheit des Geländes unterschätzt hatte, war ich auch dieses Jahr wieder sehr überrascht wie viele Höhenmeter pro Tag zusammen kamen. Weiterhin sind Zeit- und Entfernungsangaben vom DNT sehr optimistisch. Meine Erfahrung besagt, dass man bei Zeitangeben gut und gerne 50% on top rechnen kann. Ebenso bei Entfernungen die man aus der Karte ermittelt hat. Die Höhenmeter sind nahezu unkalkulierbar. Man sollte davon ausgehen, dass man auf 20 km Strecke zwischen 750 und 1000 hm sammeln wird. In der Mitte der Vidda hingegen etwas weniger. Als ein Anhalt können die Angaben meiner Tour heran gezogen werden, die weiter oben im Text im Unterpunkt „Tagesberichte, Bilder & Videos“ zu finden sind.

Geschwindigkeit

Die Geschwindigkeit mit Langlaufski und Pulka hat sich bei mir zwischen 2 km/h (bergauf mit viel Neuschnee) und 3,5 km/h (in der Ebene mit Rückenwind) eingependelt. Diese Angaben sind Durchschnittswerte über je einen gesamten Tourentag ohne Pausen. Daraus ergibt sich für eine Etappenlänge von 20 km eine reine Gehzeit zwischen 5:45 und 10 Stunden! Auf keinen Fall sollte man das unterschätzen!!

Wetter

Das Wetter auf der Hardangervidda ist unberechenbar und daher eigentlich immer Gesprächsthema wenn man auf jemanden trifft. Ich habe es während meiner Tour nicht einmal erlebt, dass der Wetterbericht für den übernächsten Tag zugetroffen hat. Der kommende Tag ist hingegen recht gut voraus zu sagen.

Es kam bei mir fast täglich vor, dass das Wetter über Nacht von strahlendem Sonnenschein und keiner Wolke am Himmel zu sehr windig/stürmig und Schneefall gewechselt hat.

Einfluss des Wetters

Auf der Vidda bestimmt das Wetter den Reiseplan und nicht das Stück Papier auf den man im Vorfeld der Tour einen Plan geschrieben hat. Wenn das Wetter es zulässt „muss/sollte“ man Laufen, ist das Wetter hingegen sehr schlecht sollte man überlegen abzuwettern. Entsprechend ist mit ausreichend Zeitpuffer zu planen, wenn man am Ende der Tour seinen Rückflug noch erwischen möchte. Für die beschriebene Überquerung würde ich mindestens 3-4 Tage Puffer für schlechtes Wetter und Ruhetage einplanen.

Camping & Hütten

Campen im Zelt

Campen ist auf der Hardangervidda bis auf ganz wenige Ausnahmen quasi überall erlaubt. Im Winter wird man darüber hinaus auf sehr wenige Mitcamper treffen, so dass man 200 Meter neben der Route sicherlich seine Ruhe haben wird. Möchte man im Zelt übernachten sollte man lieber zu einem größeren Modell greifen. Mindestens ein 2-Personen-, besser noch 3-Personen-Zelt bietet ein Minimum an Komfort, auch bei schlechtem Wetter. Das Zelt muss auf jeden Fall eine ausreichend große Apsis haben um darin den Kocher betreiben zu können. Natürlich sollte das Zelt auch sehr windstabil sein. An ausreichend Schneeheringe sollte man denken. Beim Einrichten des Camps leistet eine Schneeschaufel hervorragende Dienste.

Ich war selbst mit einem 1-Personen-Zelt, dem Hilleberg Akto, unterwegs. Im Sommer ein top Zelt für den Soloreisenden, im Winter eher eine Art Notshelter. Ich werde auf meiner nächsten Wintertour garantiert ein 3-Personen-Zelt in der Pulka haben.

Hütten

Der Komfort einer DNT-Hütte ist nach einem langen Tag beispiellos
Der Komfort einer DNT-Hütte ist nach einem langen Tag beispiellos

Auf der Hardangervidda gibt es ein ausgeprägtes Hüttennetz des DNT. Ob die Hütten geschlossen, mit DNT-Schlüssel zu öffnen oder bewirtet sind, kann man auf der DNT-Homepage prüfen.

Ich habe die Hütten ausgiebig genutzt und es nicht bereut. Der Komfort ist nach einem langen Tag und schlechtem Wetter einfach beispiellos. Alle Hütten waren mit Gasherd, Töpfen, Essensvorräten und Brennholz ausgestattet. Die Bezahlung für Übernachtung und Proviant erfolgt über einen Zahlschein, der in den Hütten ausliegt.

Wasser & Proviant

Schneeschmelze

Wasser ist naturgegeben im Winter auf der Hardangervidda allgegenwärtig, allerdings im falschen Aggregatzustand. Sprich Schnee muss zu Wasser geschmolzen werden. Hierbei ist der Energiebedarf riesig und keinesfalls zu unterschätzen. Mein Benzinkocher lief abends 2 Stunden und morgens nochmal 1 Stunde. Das ergab einen Benzinverbrauch von 250 ml pro Tag pro Person. Auch sollte man einen ausreichend großen Topf einpacken, um nicht im 20 Sekundentakt Schnee in den Topf nachschaufeln zu müssen.

Kocher

Gaskocher sind nur bedingt geeignet, da bei Temperaturen deutlich unter 0°C der Druck in den Gaskartuschen soweit absinken kann, dass der Kocher nicht mehr funktioniert. Dann muss die Kartusche erst wieder in der Jacke oder Schlafsack aufgewärmt werden. Es gibt zwar extra Wintergas, allerdings würde ich dennoch zu Benzin raten. Es ist einfach ergiebiger, hat aber den Nachteil, dass kleinste verschüttete Mengen fürchterlich stinken.

Proviant

Nach Tagen gepackte Verpflegung
Nach Tagen gepackte Verpflegung

Essen hatte ich für die kompletten Tourentage selbst mitgeführt. Zurückgegriffen habe ich dabei vornehmlich auf gefriergetrocknete Trekkingnahrung. Ich habe mit 4500 kcal/Tag gerechnet und entsprechend das Essen in Tagesrationen vorgepackt. Das war sehr praktisch um die Übersicht zu behalten. Allerdings habe ich nicht im Ansatz das gesamte Essen zu mir nehmen können. Am Ende des Tages habe ich circa zwischen 3500 kcal und 3800 kcal essen können. Entsprechend habe ich abgenommen. Das überschüssige Essen habe ich regelmäßig in den Hütten für andere Reisende zurück gelassen.

Hast Du Anmerkungen/Hinweise/Kritik zu dieser Zusammenfassung? Ich würde mich über Kommentare dazu freuen um meine Reisetipps kontinuierlich verbessern zu können!

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