Über den Monatswechsel März/April 2018 war ich mit einem Freund auf Island zum Skitourengehen. Island kannte ich bereits von meiner Trekkingtour auf dem Laugavegur 2012, aber diesmal sollten nicht die Wanderschuhe und das Zelt, sondern die Ski und der ABS-Rucksack im Gepäck sein.

Im Grunde konzentriert sich die Skitourenaktivität auf Island auf der so genannten Tröllaskagi im Norden der Insel, was frei übersetzt wohl so viel wie Troll-Halbinsel bedeutet. Auf dieser Halbinsel gibt es drei Ortschaften die sich als Stützpunkte für Skiunternehmungen eignen: Siglufjörður, Ólafsfjörður und Dalvik. Die Ortschaft Ólafsfjörður liegt dabei sehr zentral und die Berge rund um die beiden anderen Orte sind auch gut erreichbar. Mehr dazu aber später. Wir haben uns also nach dem ersten Kartenstudium eine Unterkunft in Ólafsfjörður gesucht und gebucht.

Tourberichte & Bilder

Mehr Tourberichte & Bilder gibt’s bald hier. Schau einfach wieder rein!

An- & Abreise

Flug

Mit Icelandair im Anflug auf KEF.
Mit Icelandair im Anflug auf KEF.

Die Anreise erfolgte, wie auch schon bei meiner letzten Islandreise, mit Icelandair von Frankfurt/Main nach Keflavik. Wir haben Flüge mit der „Billigfluglinie“ WOW air in Betracht gezogen. Für uns waren die Flugzeiten jedoch ungünstiger gelegen und in Kombination mit dem zusätzlich gebuchten Skigepäck war der Preisunterschied nur noch marginal. Das Skigepäck besteht aus einem Skisack und einer Skischuhtasche. Das maximale Gewicht des Skigepäcks ist auf der Homepage von Icelandair nicht angegeben. Wir haben jedoch beide unsere Skisäcke noch deftig mit Socken, 1st Aid Kit, Badeschlappen und und und vollgestopft, ohne dass es bei der Gepäckabgabe bemängelt wurde.

Beim Rückflug empfehle ich ausreichend Zeit für den Check-In und die Sperrgepäckabgabe einzuplanen. Besser 3h vor Abflug bereits am Flughafen in Keflavik sein. Man liest immer wieder, dass der Tourismus auf Island boomt, und das stimmt! Im Vergleich zu 2012 platzt der Flughafen und auch die Hauptstadt aus allen Nähten. Unsere Gepäckabgabe war gefühltes Chaos und endete mit einem Laufschritt zum Boarding um als einer der Letzten den Flieger zu besteigen.

Mietwagen

Ab Keflavik haben wir einen im Vorfeld gebuchten Mietwagen genutzt um weiter nach Ólafsfjörður zu fahren. Die Fahrzeit darf man nicht unterschätzen. Trotz der, für isländische Verhältnisse gut ausgebauten, Ringstraße [1] dauert die Fahrt 5,5-6h. In Island ist auf Asphalt max. 90km/h erlaubt! Die Strafen sind wohl recht saftig…

Fahren auf Island ist anders.
Fahren auf Island ist anders.

Ein kurzer Kommentar noch zur Autovermietung. Wir hatten bei Firefly Car Rental das Fahrzeug (Skoda Octavia, 29.000 km) über ein Vergleichsportal gemietet. Der auf dem Portal angegebene Preis war zu niedrig und die Autovermietung ist etwa 10 Fahrminuten vom Terminal Keflavik entfernt. Alle 20-30 Minuten pendelt zwar ein Bulli der Autovermietung zwischen Vermietung und Terminal hin und her es ist jedoch trotzdem nervig, ganz besonders wenn man früh morgens den Rückflug antritt. Hier sollte man sich überlegen ob man ein paar Scheine mehr in die Hand nimmt und eine der bekannten Größen nutzt, die die Fahrzeuge direkt am Terminal bereitstellen. Ansonsten war an dem Fahrzeug absolut nix zu bemängeln!

Übrigens sind wir der Meinung, dass man keinen Geländewagen benötigt. Es reicht vollkommen ein normaler PKW (viele Autovermietungen haben Spikereifen; unser Fahrzeug von Firefly jedoch nicht). Überall wo man nicht mit dem PKW hin kommt darf man laut Vermietung eh nicht fahren (z.B. Ausläufer des Hochlands) oder man läuft eben mit den Tourenski hin. 😉

Die Straßenbedingungen und eventuelle Streckensperrungen sind auf road.is einzusehen.

Unterkunft & Verpflegung

In Ólafsfjörður findet sich bestimmt eine Bleibe.
In Ólafsfjörður findet sich bestimmt eine Bleibe.

Wir haben unsere Unterkunft in Ólafsfjörður über Airbnb gebucht. Dort sind wirklich sehr zahlreich private Wohnungen, Zimmer und sogar kleine Hütten mit Hotpot im Angebot. Unter gekommen sind wir in der Ferienwohnung von Kristjana. Wir können die Wohnung und die Gastgeberin bedingungslos empfehlen! Für mich war es meine erste Buchung auf diesem Portal und alles hat einwandfrei geklappt. Ich würde es jederzeit wieder so handhaben.

Im Ort ist das Notwendigste zu finden: Ein Supermarkt (KJÖRBÚƉIN), ein einfaches Restaurant/Imbiss (HÖLLIN), ein Café (Kaffi Klara) und natürlich auch ein Schwimmbad (Sundlaug Ólafsfjarðar). Allerdings sind die Preise mega deftig! Wir haben daher auf der Anfahrt in einem Discounter (Bónus) einen Großeinkauf mit den wichtigsten Lebensmitteln erledigt. Frischen, extrem leckeren Fisch, der für unser Gefühl auch recht preiswert ist, gibt es in Siglufjörður (Fish and Chips Siglufjörður) direkt am zentral liegenden Parkplatz. Das Geschäft liegt souterrain und ein bisschen versteckt aber dennoch gut zu finden. Auf jeden Fall auch die wiederum recht teuren Fish & Chips probieren! Eine Riesenportion!! 😀

Skiequipment auf Island

Dieser Punkt ist schnell abgehandelt: Es gibt keines… Man sieht zwar einige Fahrzeuge mit Skiträgern auf dem Dach und hin und wieder klassische Alpinski darauf befestigt, aber sowohl in Akureyri als auch in Reykjavik konnten wir in keinen Sportgeschäft Skitourenequipment entdecken. Im Gespräch mit einem Einheimischen ist uns auch eine gewisse Unverständnis entgegen getragen worden warum wir denn zu Fuß auf die Berge steigen, das könne man ja auch mit dem Snowmobil oder Auto machen. 😉 Also lieber nicht mit Leihequipment oder einem Mindestmaß an Ersatzteilversorgung rechnen. Am besten alles von zu Hause mitbringen und hoffen, dass das Gepäck auch ankommt.

Eventuell hat hier jemand von Euch auch andere Infos? Gibt es in Dalvik oder Akureyri einen Skiverleih mit Tourenski bei denen man im Schadensfall leihweise Ersatz beziehen könnte? Dann würde ich mich über einen Kommentar dazu sehr freuen.

Ein Wort noch dazu: Harscheisen! Die haben wir jeden Tag gebraucht und sollten auf keinen Fall im Gepäck fehlen!

Lawinenlagebericht

Auch in Island gibt es Lawinen und daher gibt es auch einen Lawinenlagebericht, allerdings nicht so ausführlich und nicht in täglichen Abständen wie wir es aus den Alpen gewöhnt sind: Avalanches Icelandic Meteorlogical Office

Auf der Seite des Icelandic Met Office gibt es auch die obligatorische Wettervorhersage.

Einweisung ins Gelände

So, auf Island angekommen, eingekauft und die Unterkunft bezogen, was jetzt? Skitouren! Nur wo?

Ich möchte hier nun nur eine ganz kurze Einweisung in das Gelände geben, ganz einfach aus dem Grund weil wir in den 8 Tagen, die wir vor Ort waren unmöglich alle Skimöglichkeiten gesehen haben können, die die Region bietet. Dazu sind sie einfach zu unbegrenzt. Wer auf Island einen verspurten Hang fährt ist im Grunde selbst Schuld… 😀

In den Bereichen, die auf der folgenden Karte durch die Buchstaben A-E gekennzeichnet sind, haben wir Skitouren unternommen oder haben zumindest vor Ort das Gelände studiert um abzuschätzen ob sich dort eine Skitour lohnt.

Übersichtskarte Trollhalbinsel (Vorlagenquelle: http://www.lmi.is).
Übersichtskarte Trollhalbinsel (Vorlage von http://www.lmi.is).

Bereich A

Skigelände zwischen den Ortschaften Siglufjörður und Ólafsfjörður. Parkmöglichkeiten sind zwischen den beiden Tunneln reichlich vorhanden. Hier haben wir eine Tour auf den Vatnsendahnjúkur unternommen.

Bereich B

Tal des Flusses Ólafsfjarðará. Durch dieses Tal verläuft die „Mountain Road“ 82 die im Winter gesperrt ist. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man ca. 4-5 km von Ólafsfjörður hineinfahren kann. Das kann aber je nach Schneesituation variieren. Rechts und links der Piste sind unzählige Tourenmöglichkeiten. Im Grunde bräuchte man das Tal wohl gar nicht verlassen. Hier gibt es auch einige Unterkünfte bei Airbnb, so dass man auch eine Woche gänzlich ohne Auto in Sachen Skitouren auf seine Kosten kommen sollte. Die Überquerung der Ólafsfjarðará kann je nach Schneeauflage mitunter problematisch sein.

Wir haben in diesem Bereich u.a. den Barkarkolla durch das „namenlose Couloir“ bestiegen.

Bereich C

Hier befindet sich der Múlakolla, quasi der Hausberg von Ólafsfjörður. Von Arcticfreeride.com kann man sich mit einer „Pistenraupe“ ca. 970 hm hinauf auf den Gipfel fahren lassen. Die Auffahrt dauert aus der Erinnerung gesprochen ca. 45 min. Eine telefonische Voranmeldung ist wohl sinnvoll. Wir haben das ganze einmal genutzt. Der Berg ist so groß, dass man, trotz des vergleichsweise extremen Skifahreraufkommen dennoch unverspurten Schnee vor findet. Bei unserer Fahrt waren ausschließlich Personen mit normalen Alpinskiern dabei, so dass es auch sinnvoll sein kann die Felle mit zu nehmen um noch ein paar Meter im Gelände aufzusteigen um in den Genuss von völliger Einsamkeit zu gelangen. Mein Kollege fand es ganz toll, ich hab es nur einmal gebraucht. Zu viel Trubel…

Bereich D

Der Bereich D bietet mit seinen vielen Gipfeln ebenso unzählige Bergflanken entlang der Straße 82 wie der Bereich B. Der Ausblick auf den im Osten liegenden Fjord ist während der Abfahrt bombastisch. Man findet Parkmöglichkeiten, aber leider nicht so zahlreich. Darüber hinaus hatten wir den Eindruck, dass dieses Gebiet durch die Nähe zu Dalvik stärker frequentiert ist (wir haben eine Gruppe getroffen 😉 ). Weiterhin waren die Hänge in Exposition Ost in diesem Bereich doch recht schneearm. Allerdings war die Schneesituation laut Auskunft unserer Vermieterin in diesem Jahr wohl so dürftig wie seit Jahren nicht mehr.

Bereich E

Ein bereites Tal mit dem sperrigen Namen Svarfaðardalur, das über die zwei Pisten 805 & 807 kurz hinter Dalvik zu erreichen ist. Entlang der Pisten sind einige größere Höfe weswegen die Pisten unseren Infos nach über den gesamten Winter geräumt werden. Allerdings ist hier auch viel Gelände mit Stacheldraht eingezäunt. Vorsicht ist also geboten! Durch die Breite des Tals kann je nach Parkgelegenheit ein ausgeprägter Talhatscher notwendig sein um den Hang der Wahl zu erreichen.

In diesem Bereich haben wir keine Touren unternommen, sind jedoch beide Pisten vor der Abreise noch abgefahren.

Orientierung & Karten

Die Orientierung ist aufgrund der Weitläufig- und Übersichtlichkeit des Geländes bei guten Sichtbedingungen recht einfach. Allerdings fehlen markante Orientierungspunkte wie Baumgruppen/-grenzen und Hochspannungsleitungen quasi gänzlich. Dadurch wird auch das Schätzen von Entfernungen schwierig. Wir waren mehrfach überrascht wie kurz Distanzen sind die wir deutlich weiter geschätzt haben. Das kann aber bestimmt auch anders herum sein. 😉 Bei schlechten Sichtverhältnissen ist hingegen die Orientierung eine Katastrophe. Wenn man den Hang schon mal befahren ist kann man bestimmt per GPS hinauffinden. Jemanden dem der Blindflug bergab Spaß macht muss ich jedoch erst noch kennen lernen…

Wir haben im Vorfeld folgende Papier- und Onlinekarten genutzt:

Unterwegs hatten wir Kopien der Papierkarte 1:100.000 dabei, was völlig ausreichend war.

Zusätzlich habe ich mir bei der Abreise noch eine Karte im Maßstab 1:50.000 gekauft. Nice to have aber nicht notwendig. Ich habe sie auf Amazon auch nicht finden können.

Gipfelübersicht

Hier nun worauf vermutlich der geneigte Leser schon die ganze Zeit wartet, eine von mir recherchierte Gipfelliste. Das sollte für eine Tourenwoche reichen. 😉 Die Planquadrate beziehen sich auf die oben genannte Atlaskort.

GipfelnameHöhendifferenzPlanquadrat
Múlakolla970mM 5
Barkarkolla960mL 7
Hornbrekkufjall650mL 6
Ytrárfjall800mK 4
Thverfjall900mK 11
Lundshnjúkur1052m? ?
Olafsfjardarfjall1000mI 8
Vatnsendahnjúkur850mJ 5
Karlsárfjall (diverse)--M 7
Böggvisstadafjall773mL 9
Selhnjukur781mL 8
Hrafnabjargahnjukur956mL 7
Reykjaheidi1024mK 8
Jökulkollur1065mL 7
Kehranjukur1097m? ?
Hestur1345mM 14
Efrafjallshnjuku1200mK 11

Hast Du Anmerkungen/Hinweise/Kritik zu dieser Zusammenfassung? Ich würde mich über Kommentare dazu freuen, um meine Reisetipps kontinuierlich verbessern zu können. Ich hoffe Dir mit meinen Bildern und Tipps Lust auf Skitouren auf Island gemacht zu haben. Es lohnt sich auf jeden Fall! 🙂

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