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Eine Pulka im Selbstbau

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Möchte man im Winter mehr als 1-2 Tage auf Tour unterwegs sein merkt man recht schnell, dass die Gepäckmenge rasant ansteigt. So viel muss mehr mitgenommen werden als im Sommer um einigermaßen sicher zu stellen, dass das Abenteuer nicht im Desaster endet. Wenn man nicht unbedingt von Hütte zu Hütte ziehen möchte kommt man also nicht drum herum für längere Touren auch eine Möglichkeit zu finden größere Gepäckmengen zu transportieren. Ein ganz probates Mittel dafür ist die so genannte Pulka, ein Schlitten der bereits von den indigenen Völkern des Nordens verwendet wurde. Natürlich hat eine heutige Pulka nichts mehr mit den damaligen Holzschlitten zu tun, die von Rentieren gezogen wurden. Der Name ist jedoch geblieben.

Kaufen oder selber machen?

Nun kann man solch eine Pulka auch von der Stange kaufen. Je nach Modell muss man dabei jedoch 600-1000 EUR anlegen. Eine bewährte Quelle für eine Kauflösung ist die Firma Fjellpulken aus Norwegen. Wenn die nicht wissen wie man Pulkas baut, dann weis es wohl niemand. 😉

Zum Glück geht das mit der Pulka jedoch auch günstiger. Im Internet ist eine Bauanleitung einer Pulka auf Basis des Paris Expedition Sled 960 sehr verbreitet. Ich habe mich bei meinem Bau ziemlich genau an die Anleitung auf outdoorseiten.net gehalten. Abgewichen bin ich jedoch beim Zuggestänge, das mit Abstand das komplizierteste beim Selbstbau darstellt. Das Zuggestänge soll zum einen ausreichend stabil und steif sein um auch mal einen Sturz zu überstehen und die Pulka gut führen zu können. Gleichzeitig muss es aber auch eine gewisse Flexibilität aufweisen um beim Ziehen der Pulka nicht jeden Stoß sofort vom Schlitten auf den Menschen zu übertragen. Nach langem hin und her überlegen und viel googlen im Internet habe ich mich entschieden das Zuggestänge von Fjellpulken zu kaufen. Alles andere als billig aber in meinen Augen die sicherste Lösung die mich auch nicht im Stich lassen wird.

Zuggeschirr

Das Zuggeschirr mit dem das Zuggestänge und letztendlich auch die Pulka mit dem Menschen verbunden wird habe ich bereits beim „Reifenschleifen“ ausreichend testen können. Dort findet sich auch eine Beschreibung meines Zuggeschirrs.

Eine Pulka entsteht im Selbstbau

Das Grundkonzept der Selbstbaupulka sieht vor, die Paris Expedition Sled 960 (im Nachfolgenden nur noch Paris-Sled genannt) mit einem Verdeck zu versehen und eine tourentaugliches Zuggestänge zu montieren.

Die Paris-Sled ist im Grunde nur eine Kunststoffwanne, auf deren Unterseite einige Spurrillen ausgeprägt sind. Die Maße von 150cm x 50cm versprechen viel Stauraum und stellt quasi eine Mittelgroße Pulka dar. Für europäische Unternehmungen sollte sie also dicke ausreichen.

Das Anbringen eines Verdecks ermöglicht ein schnelles und übersichtliches Verstauen der Ausrüstung. Nur das was wirklich wasserempfindlich ist wie Kleidung und der Schlafsack müssen zusätzlich in wasserdichte Packsäcke verpackt werden. Der Rest der Ausrüstung ist durch das Verdeck ausreichend durch Umwelteinflüsse geschützt. Es empfiehlt sich trotzdem zur besseren Übersichtlichkeit nicht alles einfach in die Pulka zu schmeißen. 😉

Folgendes Material habe ich für den Bau der Pulka benötigt:

  • Paris Expedition Sled 960
  • Aluleisten, 2000mm x 15mm x 1,5mm, 2x
  • Cordura, 500den, PU-beschichtet, 1,5m x 2,0m
  • Gurtband (Polyamid) 25mm, 5m
  • Blitzverschluss zum einseitigen Fädeln, 25mm, Airloc, 3x
  • D-Ring, 25mm, mit Öse, Beastee Dee, 10x
  • Elastische Kordel, 5mm, rund rot, 4m
  • Polyesterkordel, 3mm, 8-fach geflochten schwarz, 5m
  • Mini-Karabiner mit Drahtschnapper und Öse, 35mm, ohne Aufdruck orange, 4x
  • Diverse Blindnieten, 3,2mm
  • Diverse Schrauben M5, U-Scheiben, selbstsichernde Muttern

Die Paris-Sled habe ich beim Globetrotter bestellt. Dort waren damals die Versandkosten bei dem Riesenpaket sehr gering. Alle Stoffe, Karabiner, Ösen und Bänder habe ich bei Extremtextil.de bestellt. Den Shop sollte inzwischen wirklich jeder kennen. 😉 Die Aluleisten, Blindnieten, Schrauben, U-Scheiben und Muttern habe ich entweder im Baumarkt oder bei eBay zusammengesucht.

Zuerst wird der Verdeckstoff erstellt. Dazu wird die Stoffbahn 1,5m x 2m in 2 Streifen à 0,75m x 2m geschnitten und anschließend an der kurzen Seite zusammengenäht, so dass ein Streifen von 0,75m x 4m entsteht. Entlang der langen Kante wird der Stoff umgeschlagen und die 3mm Polyesterkordel eingenäht. Die Kordel verhindert später das Herausrutschen des Stoffes unter der Aluschiene, die das Verdeck klemmt. Darüber hinaus wurden die D-Ringe und Blitzverschlüsse mit dem 25mm breiten Gurtband vernäht:

  • 3x 1m Gurtband mit Steckseite des Blitzverschlusses
  • 3x 20cm Gurtband mit Buchsenseite des Blitzverschlusses
  • 10x 12cm Gurtband mit D-Ringen
Auswahl der vernähten D-Ringe und Blitzverschlüsse

Anschließend werden die Aluschienen angepasst. Diese werden auf der Innenseite der Pulka befestigt und halten den Stoff über den gesamten Umfang. Da die Paris-Sled Wanne quasi nirgends gerade ist, ist das Anpassen ein bisschen kniffelig. Besonders im Bereich der Ecken. Mein Tipp: Lieber zwei- oder dreimal sägen und sich langsam an die ideale Länge und Form annähern. Die 4m Aluschienen sind dicke ausreichend um von Anfang an 5cm Verschnitt zu ermöglichen.

Sind die Aluschienen angepasst werden diese mit einem gleichmäßigen Lochabstand gebohrt. Anschließend habe ich den Lochabstand von den Aluschienen Loch für Loch auf die Wanne übertragen. Da man aufgrund der Form die Aluschiene nicht wirklich an der Wanne fixieren kann habe ich mit dem ersten Loch in der Mitte der Aluschiene frei Hand begonnen und dann dort mit einer M3er Schraube die Schiene behelfsmäßig fixiert. Anschließend kam das nächste Loch dran und dann das Nächste und das Nächste… Immer abwechselnd rechts/links von der Mitte ausgehend. So reduziert man die unweigerlich auftretenden Ungenauigkeiten beim Anzeichnen und Bohren.

Nachdem alle Aluschienen angepasst und gebohrt waren habe ich die Bohrungen festgelegt bei denen die Gurtbänder und Ringe für die Gummikordel befestigt werden. An diesen Stellen habe ich die 3,2mm Bohrungen dann auf 5,2mm aufgebohrt. Die Gurtbänder werden an dieser Stelle mit den M5er Schrauben befestigt.

Nun ist alles bereit für die Montage des Verdecks. Ich habe an der Vorderseite in der Mitte der Wanne begonnen, da ich mich hier sehr gut an der Naht des Verdeckstoffs orientieren kann um den Stoff mittig auszurichten. Mit einem Campingkocher, einem Nagel und einer Zange habe ich Loch für Loch in den Verdeckstoff geschmolzen. Dabei habe ich immer sofort eine Blindniete gesetzt um den Stoff möglichst gut zu fixieren und zu führen. Das hat sehr gut funktioniert und über den gesamten Wannenumfang hat der Stoff nicht eine Falte geworfen.

Nachdem ich das Verdeck an der Vorderseite und die beiden Seiten der Wanne befestigt sind wird der Stoff in seiner Länge final zugeschnitten, so dass die beiden Stoffenden an dem Ende der Wanne etwas überlappen. So bildet sich ein sehr dichter „Schlauch“ um die Wanne aber man kommt trotzdem sehr gut an das Innere.

Nun kommen die Schrauben für die Gurtbänder an die Reihe. Wie auch die Löcher für die Blindnieten habe ich diese mit einem Nagel in den Verdeckstoff geschmolzen, nur eben ein bisschen größer. Wieder diente als Führung für den Nagel die Aluleiste auf der Innenseite. Mit einem kleinen Holzkeil habe ich dann zwischen Aluschiene und Wanne etwas Distanz geschaffen und die vorbereiteten Gurtbänder eingefädelt und verschraubt. Die Gurtbänder waren wie oben abgebildet auch mit entsprechenden Löchern versehen. Anders als noch auf den Bildern dargestellt habe ich zum Herstellen der Löcher jedoch ein Locheisen verwendet. Der Aufbau ist dann von innen nach außen wie folgt: Aluschiene – Verdeckstoff – Gurtbänder – Wanne. Ein Bild dazu findet Ihr hier.

Nun bleibt nur noch das Einfädeln der Gummikordel durch die D-Ringe und das Anbringen der Halterung für das Zuggestänge. Auch hier habe ich auf Bewährtes von Fjellpulken zurück gegriffen. Beim Bohren der Löcher für die Halterungen sollte man sehr sorgfältig vorgehen. Wenn Die Halterungen schief an der Pulka befestigt werden wird sich dies später unweigerlich auf die Spurttreue der gesamten Pulka auswirken. Eine Anpassung wird auch nicht mehr so ohne weiteres möglich sein. Also lieber einmal mehr anzeichnen, gucken, probieren und erst ganz am Ende bohren. 😉

Auf der Unterseite der Wanne habe ich zur besseren Krafteinleitung mit einem 0,8mm Titanblech statt der beiliegenden Unterlegscheiben gearbeitet. Ob das wirklich notwendig ist weiß ich nicht. Ich denke 1mm Aluminiumblech oder 0,8mm Edelstahlblech würden es auch tun.

Hier nun noch der gesamte Pulkaaufbau in der Werkstatt.

Inzwischen habe ich auch die erste Testtour im Kleinwalsertal hinter mich gebracht. Die Pulka habe ich dabei mit ca. 28kg Ballast beladen. Eine ähnliche Masse erwarte ich auf für meine geplante Wintertour auf der Hardangervidda. Die Pulka läuft dabei sehr spurstabil hinter mir her. Ich habe aus gutem Grund auf die oft im Internet beschriebenen zusätzlichen Aluschienen auf der Pulkaseite verzichtet. Ich glaube, dass diese durch Stollen (Anfrieren von Schnee) mehr Nachteile als Vorteile bringen. Mein Versuch gab mir nun Recht, dass die original „Kufen“ der Paris-Sled ausreichend sind. Also bitte nicht overengineeren… 😀

Was haltet Ihr von meinem Pulka-Selbstbau? Habt Ihr auch schon einmal über eine Wintertour nachgedacht? Ich würde mich freuen von Euren Gedanken und Erfahrungen dazu zu lesen.

  1. […] einem super Frühstück in der Haukeliseter Fjellstue schnalle ich gegen 9 Uhr die Pulka an mein Zuggeschirr und mache die ersten Schritte in Richtung Hochplateau. Der Wind pfeift recht […]

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