Mein Reisemobil – Ein Fazit nach den ersten 365 Tagen

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Seit guten 365 Tagen steht mein Reisemobil auf VW T5 Basis nun bei mir in der Garage und ich kann mehr oder weniger regelmäßig damit Touren unternehmen. Nachdem ich den VW Kastenwagen im Dezember 2016 bei einem Händler abholte, habe ich unzählige Stunden damit verbracht ihn nach meinen Vorstellungen zu einem wintercampingfähigen Bulli umzubauen, mit dem man dank Standheizung auch ein verlängertes Wochenende im Schnee verbringen kann. Wer möchte kann die gesamte Ausbaugeschichte unter der dem Schlagwort Reisemobil nachlesen. In diesem Artikel möchte ich nun ein erstes Fazit ziehen, wie sich der Bus im vergangenen Jahr bewährt hat.

Dank Heizung auch im Winter auf Tour.

Grob überschlagen habe ich in Summe einen Monat im Bus übernachtet und 10.000 km zurück gelegt. Dabei habe ich fast jeden Tag die Bettkonstruktion auf und ab gebaut. Die Temperaturspannweite erstreckte sich von bitterkalten -17°C in der Zentralschweiz bis hin zu mollig warmen +30°C am Gardasee. Durch die nachgerüstete Luftstandheizung und auch die großflächig verklebte Isolation lies es sich sehr gut im Bus aushalten. Die Heizung lief dabei in der kalten Jahreszeit jedoch nur in den Morgen- und Abendstunden und ist mit ihren 2kW Heizleistung in der Lage die Luft im Businneren von -10°C auf +15°C in etwa 45 Minuten zu erwärmen.

Der Hersteller der Heizung gibt den Verbrauch mit 0,1 L/h (min. Leistung) bis 0,24 L/h (max. Leistung) an. An einem Wochenende mit winterlichen Temperaturen von -10°C habe ich den Dieselverbrauch der Heizung bei meinen Heizgewohnheiten nicht wirklich auf der Tankrechnung ablesen können. Bei einer Fahrstrecke von 1000 km und regelmäßigem Heizen am Morgen, mittags und in den Abendstunden habe ich 6,8 L/100 km Gesamtverbrauch des Busses erzielt. Ein wirklich beeindruckender Wert, wie ich finde. Wobei ich allerdings entspannt mit 110-120 km/h auf der Autobahn mit dem Verkehr mitschwimme.

„Take nothing but pictures. Leave nothing but footprints. Kill nothing but time.“

Während der Nacht habe ich mit einem entsprechend dimensionierten Schlafsack und einem spaltweit geöffneten Fenster geschlafen. Ziel war es erstens so den Dieselverbrauch, den Krach und auch die Kondenswasserbildung in Grenzen zu halten. Sowieso war es immer meine Absicht möglichst unauffällig und wenig störend zu wirken. So wurde ich auch nur einmal bisher von der Polizei geweckt und kontrolliert. Ironischerweise auf dem Parkplatz meines Arbeitgebers. Dort war wohl jemand ein bisschen zu kleinbürgerlich… 😉

Auch meine größte Sorge, dass die Kondenswasserbildung in einem Kastenwagen ein unlösbares Problem darstellt hat sich bisher nicht bewahrheitet. Erstens ist das Problem nicht so gewaltig wie befürchtet und zweitens muss man einfach Lüften, Lüften und nochmals Lüften, da im Winter doch schon einiges zusammen kommt. Das ist auch mit der Hauptgrund warum ich 3 Nächte im Winter als Maximum im Bus ansehe. Danach leidet der Komfort doch schon recht stark.

Bordelektrik? Check!

Auch die Bordelektrik hat sich bewährt. Bisher ist keine Sicherung durchgebrannt, kein Kabel gebrochen und auch die 2. Batterie mit einer Kapazität von 92 Ah hält ein Wochenende im Sommer mit Kompressorkühlbox und im Winter mit Heizungsbetrieb locker durch. Die im Bedienpanel verbaute Spannungsanzeige hat mir also noch nie einen kritischen Blick abverlangt. Auch ein mehrmaliges Laden des Notebooks über den verbauten 300 W Spannungswandler zwängt die Energiereserven nicht in die Knie. Ich würde die 2. Batterie also jederzeit wieder mit der genannten Kapazität wählen.

Mit 92 Ah ist auch bei -10°C genug Strom an Bord.
Mit 92 Ah ist auch bei -10°C genug Strom an Bord.

5er Sitzgruppe – da ist ausreichend Platz!

Der Bus ist zwar nur mit einer Schlafgelegenheit für 2 Personen ausgestattet, bietet jedoch bei abgeschlagenem Bett im Wohnraum Sitzgelegenheiten für 5 Personen. Bis auf den etwas kuscheligeren Platz auf der drehbaren Beifahrersitzbank ist ein sehr angenehmes Sitzen möglich. Auch die Tischdimensionen von 95×50 cm² haben sich bewährt. Auf keinen Fall mehr würde ich auf die Tischhalterung an der linken Innenraumverkleidung verzichten. Gerade im Winter, wenn man gezwungen ist sich morgens im Bus anzuziehen ist der Platz bei abgebautem Tisch eine wirkliche Erleichterung. Dies gilt natürlich nur für den VW Bus mit langem Radstand. Übrigens würde ich diesen immer wieder wählen.

Im Internet kursierende Theorien von fehlender Wendigkeit und anderen Gründen die gegen den 40 cm längeren Bulli sprechen kann ich nicht bestätigen. Okay, ich fahre das Fahrzeug zwar nicht im Alltag muss ihn jedoch in der Garage wegen Platzmangel ziemlich um die Ecken zirkeln. Da bewähren sich die großen serienmäßig verbauten Seitenspiegel. Der VW Bus ist, abgesehen vom Preis, halt einfach gut! 😉

VANlife im Allgäu ist einfach VANtastisch!
VANlife im Allgäu ist einfach VANtastisch!

Kritik am Ausbau? Ja, die gibt es…

Nun waren die bisherigen Zeilen voll des Lobes… Wo gibt es denn nun Kritikpunkte am Fahrzeugkonzept oder am Ausbau? Der Schrank ist einfach viel zu klein! Hier bewahrheitet sich mal wieder, dass im Camper Stauraum nur durch noch mehr Stauraum zu ersetzen ist.

Ursprünglich war geplant einen richtigen „Wandschrank“ von der Heckklappe bis zur Schiebetür einzubauen. Diesen Plan machte jedoch die ausschließlich verfügbare 3er Sitzbank zunichte. Da hieß es kurzfristig umdisponieren. Das nächste Mal würde ich daher auf jeden Fall auf eine 2er Sitzbank bestehen. Übrigens ist das Nachrüsten einer Sitzbank im Kastenwagen kinderleicht. Ich hatte mir da wieder viel zu viele Gedanken gemacht. Also einfach Kastenwagen kaufen, 2er Sitzbank auf eBay Kleinanzeigen schießen und bei einem Ausbauer des Vertrauens für überschaubares Geld an der gewünschten Position einbauen lassen. Ein Tipp für den Rhein/Main-Raum wäre der Christoph.

Der Fußbodenbelag aus „Hart-PVC“ im Wohnbereich hat nicht die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen können. Nach kürzester Zeit zeigt er auffällige Kratzer und Flecken die sich mit Haushaltsreinigern nicht mehr entfernen lassen. Sehr unschön und enttäuschend. Ich habe ihn nun größtteils mit einem überdimensionalen Fußabtreter abgedeckt.

Ein weiterer Nachteil des Bettkonzepts ist, dass die Liegefläche recht hoch gelegen ist. Bei meinem Bett wird die Rückenlehne der 3er Sitzbank nach vorne umgelegt und dann von einer 9mm Multiplexplatte überbaut. Dadurch verliert man Kopffreiheit, gewinnt jedoch wieder andererseits jede Menge Stauraum hinter der Bank und unter dem feststehenden Betteil. Bei mir kommen die Nachteile besonders schwer zu tragen, da ich mit meinen 190cm recht hoch geschossen bin. Aber alles halb so schlimm… ich komme auch in einem Hilleberg Akto zurecht. 😀

Die Röllchen unter der beweglichen Bettplatte haben sich hingegen super bewährt. Bei diesem Konzept würde ich auf keinen Fall mehr darauf verzichten wollen! Sollte ich allerdings nochmal einen Campervan ausbauen, werde ich das Bett gänzlich anders realisieren. Ich habe da auch schon Ideen, aber die sind mit der aktuell verbauten Sitzbank nicht umsetzbar. Ich werde das Bett nun so lassen, da es in meinen Augen schon Nörgeln auf hohem Niveau ist. 😉

Die 10cm Matratze aus einem Kaltschaumzuschnitt hat sich ebenso toll bewährt. Positiv auf die Lebensdauer wird sich sicherlich auch der eigens durch meine Mama angefertigte Schonbezug auswirken. Vielen Dank auch an dieser Stelle nochmal! 🙂 Die Kondenswasserbildung unter der Matratze ist durch die unzähligen Belüftungslöcher in den Bettplatten gut in den Griff zu bekommen. Trotzdem hebe ich die Matratzenteile zum Lüften nach einer Tour an.

Ein kurzes Fazit: A Traum!

Welches kurze Fazit soll ich nun nach meinem ersten Jahr als Bullibesitzer ziehen? Vom Klettern am Gardasee, über Bergtouren im Allgäu und Skitouren in der Schweiz ist der Bulli einfach a Traum! Ich bereue es nicht den doch recht hohen Aufwand auf mich genommen zu haben! Wirklichen Änderungsbedarf sehe ich aktuell nicht mehr am Bus. Nun heißt es Touren machen bis ich keine Lust mehr habe und dann sehen wir weiter. Für 2018 habe ich auf jeden Fall schon die ein oder andere Idee! 🙂

Was ist besser als ein Bulli? Richtig! Zwei!
Was ist besser als ein Bulli? Richtig! Zwei!

Ja, und ich weiß, die „Schlossbesichtigung“ ist noch fällig. Wenn ich mit dem Reisemobil unterwegs bin, habe ich aber am Ende des Tages keine Lust mehr noch ein Video zu drehen und liege lieber die Füße hoch und ziehe ein Weizen auf… 😉

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