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NORWID Gorm – Mehr customized geht nicht…

Ursprünglich habe ich mir den Outdoorvirus ja beim Mountainbiken eingefangen… 2003 war das mit einem Hardtail vom Bikediscounter. Seit dem sind einige Fullylenker durch meine Hände gegangen und alle Räder hatten das mir wohl bekannte Problem von einer extremen Sattelüberhöhung. Bis heute ist mir nicht begreifbar zu machen wie man ein 20″ Rahmen mit einem 100er Steuerrohr bauen kann. Herr Pallesen hat es etwas schnippisch folgendermaßen erklärt: „Die Massenrahmen werden halt in Fernost zusammengekloppt und dort ist der Durchschnitt nicht so groß wie hier.“ Sinnig!

Okay… weiter in der Geschichte. 2009 gab es dann ein Reiserad mit Stahlrahmen von NORWID. Das Modell „Kattegat“ ist heute noch erhältlich und quasi von der Stange. Dennoch erwies sich die Rahmengröße von 63cm für mich perfekt und so bin ich bis jetzt etwas mehr als 13.000 km auf dem Radel durch die Landen gerollt. Vermutlich mehr als mit jedem anderen Rad das ich bisher hatte.

Nach dem ich um mein Fully in den vergangenen Jahren (!!) einen Bogen gemacht habe, immer im Hinterkopf, dass es sich ja nicht sooo bequem fährt wie das Reiserad und dass ich im Grunde keine Lust mehr auf Enduroshreddern im Pfälzerwald habe, wurde es Zeit für etwas Neues.

Ein Hardtail, Stahl, meine Geometrie, los!

Und genau hier spannt sich der Bogen wieder an den Anfang der Story: Ein Hardtail soll es werden – eines aus Stahl und ohne Sattelüberhöhung. Und an wen wendet man sich wenn die „Marktanalyse“ ergibt, dass es nix passendes zu kaufen gibt? Richtig! An Herr Pallesen von NORWID.

Den gewünschten Rahmen können wir Ihnen gerne bauen. […]Herr Pallesen – NORWID Fahrradbau GmbH

Da ich eh ein ziemlich langes Elend bin bietet sich natürlich auch an dem Rad 29″ Laufräder zu verpassen. In Kombination mit einem flachen Lenkwinkel, kurzem Vorbau, einer 140er RS Pike, steilem Sitzwinkel und einem tiefen Tretlager sollte das doch ein mega Trail/Tourengeschoss werden!

Detailplanung der Geometrie

Ein Blick auf die Seite von NORWID zeigt recht schnell, dass das Modell GORM eine passende Basis für mein Vorhaben ist. Nach dem ich die eigenen Körpermaße erfasst hatte (Schrittlänge, Armlänge, Oberkörperlänge) konnte ich an die Detailplanung der Geometrie gehen. Dazu ziehe ich wieder die „Marktanalyse“ heraus…

Verwendung frei zum Wohle der Menschheit!
Verwendung frei zum Wohle der Menschheit!

Beim Sitzrohr hatte ich mich recht schnell auf eine Länge von 540 mm eingeschossen. Da sich die Oberrohrlänge stark auf die Sitzposition auswirkt und diese auch wiederrum vom Vorbau beeinflusst wird und ich einen tendenziell kurzen Vorbau fahren möchte, habe ich hier einen Vergleich der markterhältlichen Rahmen herangezogen.

Wie Sitzen? Eine Frage des Oberrohrs!

Oberrohrlänge über Sitzrohrlänge

Das Diagramm zeigt die Oberrohrlänge verschiedener Fahrradrahmen in verschiedenen Rahmengrößen über der Sitzrohrlänge aufgetragen. Hier zeigt sich, dass bis auf den Exoten „Cotic Solaris Max“, die meisten Rahmen dem gleichen linearen Zusammenhang folgen (untere grau gestrichelte Linie). Alles was sich unter der Linie bewegt bezeichne ich als tendenziell „kurzen Rahmen“. Entsprechend ist alles oberhalb der Linie ein „langer Rahmen“. Da ich beim Oberrohr keine Experimente eingehen wollte, habe ich mich ziemlich genau in der Mitte orientiert. So ergab sich für das 540er Sitzrohr eine Oberrohrlänge von 640 mm.

Was denn nun?

Aus diesen Gedankengängen heraus legte ich zusammen mit Herr Pallesen in mehreren Runden die Geometrie wie folgt fest.

  • Sitzrohrlänge: 540 mm
  • Steuerrohrlänge: 150 mm
  • Oberrohrlänge: 640 mm
  • Sitzrohrwinkel: 73,0°
  • Steuerrohrwinkel: 67,0°
  • Hinterbaulänge 460 mm
  • Tretlageroffset: -65 mm
  • max. Reifendimensionen: 60-622

Maschinenbauertraum: A Zeichnung!

In Verbindung mit 30 mm Spaceraufbau und einem schnittigen Lenker mit 10 mm Rise sollte sich so nahezu keine Sattelüberhöhung ergeben. Darauf aufbauend konstruierte Herr Pallesen eine Komplettzeichnung des Rades und erstellte gleich auch noch eine Aufbauempfehlung mit einer detaillierten Liste der Komponenten. Hier zeigte sich auch überraschender Weise, dass der Radstand nicht wie befürchtet „abartig lang“ ausfallen wird. Natürlich wird das ein riesiges Rad, ich sollte aber überall herum kommen wo ich auch heute mit meinem 20″ Fritzz herum komme. Das schult das Versetzen des Hinterrades übrigens ungemein. 😀

Ein Vororttermin bei NORWID

Da die Geometrie und eine Komponentenliste noch lange kein Radel ausmachen und kein Telefonat oder E-Mail das persönliche Gespräch ersetzen kann, hatte ich für Anfang Dezember einen Vorort Termin bei Herr Pallesen vereinbart. Mit dem Reisemobil ging es gegen Norden. Bei diesem Termin habe ich auch die Geometrie auf einem so genannten „Positionsbestimmungsgerät“ probesitzen können. Dieses Gerät sieht ein bisschen aus wie ein Ergometer. Es bietet die Möglichkeit alle die Sitzposition beeinflussenden Maße des Rahmens variabel einstellen zu können. So kann man Sitzhöhe und vor allem Oberrohrlänge testen, lange bevor der Rahmen gelötet wurde. Bis auf ein kleines Detail zeigte sich hier, dass ich mit der Geometrie auf einem guten Weg bin. So werde ich anders als auf der Zeichnung dargestellt mit einem 60 mm Vorbau ins Rennen gehen.

Black is the new Schwarz!

Quelle ist dem Autor bekannt

Zusätzlich zur Geometrie wurden Details wie die Zugführungen (riesen Thema!), Ausfallenden, Farbe sowie Dekor geklärt. Ich sag nur eins: Der Rahmen wird rattenscharf. Hier zeigt sich auch die unglaubliche Freiheit die ein solcher Maßrahmen bietet. Herr Pallesen wird z. B. am Rahmen und an den Ausfallenden Ösen für einen Gepäckträger vorsehen. So habe ich später hinaus die Option das Rad für Bikepackingabenteuer fit zu machen.

Und wie geht es ab jetzt weiter?

Den Rahmen und einen passenden Laufradsatz habe ich bei Herr Pallesen beauftragt. Lieferzeit ca. 3 Monate. Nun habe ich genug Zeit die einzelnen Komponenten für einen Selbstaufbau möglichst kostengünstig im Internet zusammen zu bestellen.

So,.. jetzt habe ich NORWID ganz schön Honig um die Schnute geschmiert und dabei werde ich nicht mal gesponsert. Ich hoffe, dass der Rahmen die von mir in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen kann. Ich werde berichten!

Und wer sich jetzt noch fragt wie ein NORWID Rahmen im Detail entsteht, sollte in dem folgenden Video die Antwort darauf finden. 🙂

Die technische Zeichnung ist Eigentum von NORWID. Ich bedanke mich hier nochmals für die Genehmigung der Verwendung in Zusammenhang mit diesem Artikel.

  1. […] Da war doch was im Dezember 2018,… Richtig! Ich habe bei Hr. Pallesen von NORWID im kleinen beschaulichen Neuendorf bei Elmshorn ein Gorm mit Wunschgeometrie bestellt. Das Gorm ist ein Stahlhardtail für 29″ Laufräder das grundsätzlich nach Kundenwunsch dimensioniert wird. D.h. wenn ich etwas zu dem Fahrverhalten sage, dann gilt das nur für meine individuelle Geometrie. Eine Beschreibung wie die Geometrie entstanden ist findest Du am übrigens hier. […]

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