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Fire & Ice on Bikes: Teil 3 – Snæfellsnes

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Für mich wirkten die vergangenen Tage eher wie eine Art Pflichtprogramm. Ich bin nun zum vierten Mal auf Island und habe den Golden Circle noch nicht bereist. Irgendwas muss doch da dran sein, dass diese Aneinanderreihung von „Sehenswürdigkeiten“ unmittelbar nach dem Wort Island genannt wird. Ich verbuche auf jeden Fall den Großen Geysir, den Wasserfall Gulfoss und den Þingvellir unter „kann man gesehen haben, muss aber keine zweites Mal…“, ebenso wie ich das schon nach meinem ersten Islandtrip 2012 mit der „Blue Lagoon“ gemacht habe. Weitaus reizvoller finde ich hingegen die kleinen Sehenswürdigkeiten am Rand der Straße, die nicht unbedingt in aller Munde sind, wie die Wasserfälle Rund um den Bruarfoss oder den Hjálparfoss. Nichts destotrotz war das Radfahren bei bestem Kaiserwetter in den vergangenen Tagen wunderschön und nicht zu Letzt deswegen sind wir ja auch hier!

Nun treibt es uns aber weg von diesem touriüberlaufenen Gebiet Islands. Unser nächstes Ziel ist die Halbinsel Snæfellsnes. Sie gilt auch als „kleines Island“, da sich auf ihr alle Naturwunder auf kleinstem Raum konzentriert finden lassen. Highlight der Halbinsel ist sicherlich der Gletscher Snæfellsjökull, in dessen Krater sich in Jules Verne „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ der Einstieg der Expedition zum Erdinneren befindet. Wir sind gespannt! 😀

Fjord Hvalfjörður

Da wir nach wie vor die große Ringstraße auf unserem Weg vermeiden möchten, mogeln wir uns über Seitenstraßen und teilweise auch Pisten bis zum Fjord Hvalfjörður. Dort sehen wir nach Reykjavik das erste Mal wieder das Meer und direkt steigt einem der Geruch von Tang und Meersalz in die Nase. Der Fjord hat in der jüngsten Geschichte eine bewegte Vergangenheit. Im 2. Weltkrieg und mit Unterbrechung als Basis für Walfänger genutzt, finden sich einige altmodisch anmutende Überreste.

Blick zurück zu den Resten aus der bewegten jungen Geschichte des Hvalfjörður
Blick zurück zu den Resten aus der bewegten jungen Geschichte des Hvalfjörður

Über die Piste 520 ausweichend schaffen wir es gänzlich ohne Kontakt zur Ringstraße bis nach Borganes, einer wichtigen Stadt der Region. Dort beladen wir die Reiseräder an den Rand der Unfahrbarkeit mit jeder Menge Köstlichkeiten aus dem örtlichen Discounter Bónus. Da der Campingplatz von Borganes jedoch im Internet vernichtende Bewertungen bekommen hat, halten wir uns nicht länger als nötig auf und nutzen den Nachmittag um direkt bis zu dem ersten erreichbaren Campingplatz auf der Halbinsel Snæfellsnes zu gelangen.

Auf der Halbinsel Snæfellsnes

Unserem Reiseführer entnehmen wir, dass der Südteil der Halbinsel durch Landwirtschaft geprägt ist und als weniger reizvoll gilt. Ja, das würden wir so unterschreiben. Allerdings ermöglicht uns die wirklich radelswerte Straße 54 einen tollen Blick auf die Südküste von Snæfellsnes.

Diese Straße führt uns auf die Halbinsel Snæfellsnes
Diese Straße führt uns auf die Halbinsel Snæfellsnes

Gegen späten Nachmittag erreichen wir den Zeltplatz auf dem Hof Snorrastaðir unweit des perfekt geformten Vulkankrater Eldborg. Der Wind bläst ganz schön und wir sind froh mit als Erste den Platz zu erreichen. So haben wir die Möglichkeit unser Zelt in den Windschatten einer der kleinen hölzernen Ferienhäuser zu stellen, die man oft auf Islands Campingplätzen antrifft. Dennoch müssen wir heute das erste Mal der Tour unser Zelt mit allen 25 Heringen abspannen. Puh… was das wohl noch gibt?!

Vulkankrater Eldborg
Vulkankrater Eldborg

Wenn nur der Wind nicht wäre, der mit jedem Meter, den wir uns vom Festland entfernen, zunimmt und extrem kleinräumig durch den Gebirgszug der Halbinsel beeinflusst wird. Einmal bläst es Simone ohne Vorwarnung auf die Gegenspur während ich die gleiche Böe mit Mühe und Not mit 45° Schräglage aussteuern kann. Zum Glück kam zu diesem Zeitpunkt kein Auto! Und so sind wir froh als wir am tags darauf den Campingplatz von Traðir erreichen.

„Der Wind, der Wind, das obernevige krakeelende Kind!!!“

Der Campingplatz Traðir ist wunderschön direkt am Meer gelegen. Leider hat er keinerlei Windschutz und so wird das Aufbauen des Zeltes etwas tricky. Simone und ich sind jedoch inzwischen gut eingespielt und mit etwas Zeichensprache schaffen wir es das Zelt aufzustellen und einzurichten, ohne dass etwas unserer Ausrüstung davon fliegt. Man muss wirklich alles bewusst festhalten sonst würde es durch den ablandigen Wind auf Nimmerwiedersehen auf den Atlantik hinausgeweht werden.

So ist es kein Wunder, dass die folgende Nacht die unruhigste der gesamten Tour wird. Der Wetterbericht hat für die Region Windgeschwindigkeiten bis 19 m/s gemeldet. Das Zelt steht zwar stabil mit dem Rücken zum Wind aber dennoch flattert die Zeltfolie wie ich es vorher noch nicht erlebt habe. Daher tigere ich in regelmäßigen Abständen um das Zelt und kontrolliere die Abspannleinen.

Am nächsten Morgen sind wir ziemlich gerädert. Wir haben beide in der vergangenen Nacht kaum geschlafen. Der Wind hat nicht an Stärke verloren. Immer noch bewegt er sich laut Definition dicht an der unteren Grenze eines Sturms. Daher trauern wir dem Zeltplatz, ob der tollen Lage direkt am Meer, keine Träne nach und rollen weiter auf der Straße 54 in Richtung Westen, in Richtung des Gletscher Snæfellsjökull.

Glücklicherweise ist uns die Sonne die meiste Zeit positiv gestimmt und scheint vom Himmel was das Zeug hält. Nur wenige Kilometer in Richtung Norden ist die Gebirgskette der Halbinsel hingegen in Wolken gehüllt. Der Himmel zeigt dort einiges an Dynamik aber sobald die Wolken unter eine bestimmte Höhe gedrückt werden lösen sie sich restlos auf. Ein tolles Schauspiel, auch wenn wir uns hin und wieder wünschen einen Blick auf die Gipfel erhaschen zu können.

Die Südküste der Halbinsel Snæfellsnes mit Blickrichtung Osten
Die Südküste der Halbinsel Snæfellsnes mit Blickrichtung Osten

Fish & Chips im Fischerdörfchen Arnastapi

Nach knappen 40 km sind wir total platt und froh den kleinen Ort Arnastapi zu erreichen. Der Campingplatz ist mit nagelneuen sanitären Anlagen ausgestattet und viel wichtiger, wir finden eine Doppelreihe stabiler Hecken als Windschutz! Das Zelt flattert zwar immer noch recht ambitioniert aber kein Vergleich zu gestern… Schnell ist das Zelt errichtet aber anstatt etwas des verpassten Schlafs der letzten Nacht nachzuholen, wartet etwas anderes auf uns.

Vor einigen Tagen haben wir im Gespräch mit einem isländischen Rentnerpaar eben dieses Arnastapi zum Fischessen empfohlen bekommen. Stehen Fish & Chips doch ganz oben bei uns auf der Wunschliste. Bisher hat sich die Gelegenheit dazu noch nicht ergeben bzw. wollten wir Fisch dann doch irgendwie am Meer essen. Also ab in das örtliche Fischhaus! Tja,… und was soll ich dazu schreiben? Es war verdammt lecker. 🙂

Anschließend entdecken wir den kleinen Ort. Dominiert wird die Szenerie ohne Frage von der Sagenfigur Bárður Snæfellsás, die auf den Klippen als imposante Steinfigur errichtet wurde. Wie in so vielen Sagen dreht sich bei Bárður Snæfellsás alles um Trolle, Frauen, Verrat und am Ende Mord und Totschlag.

Simone und Bárður Snæfellsás
Simone und Bárður Snæfellsás

Am nächsten Morgen gibt es einiges an Diskussionsbedarf zwischen Simone und mir. Laut Wetterbericht soll sich tags darauf der Wind etwas beruhigen. Ich glaube nicht so recht an die Voraussage und möchte gerne heute schon die Westspitze der Halbinsel umrunden und nach Ólafsvik fahren. Simone ist da anderer Meinung. Nach einigem Hin und Her entscheiden wir zum Glück noch einen Tag in Arnastapi abzuwettern und erst Morgen das Highlight der Halbinsel, den Gletscher zu umrunden. Am nächsten Tag hat der Wind tatsächlich stark nachgelassen. Ebenso sind die Wolken über dem Gebirgszug der Halbinsel verschwunden. Wer weiß wie lange das der Fall ist und so eilen wir noch vor dem Frühstück zum Hafen, von dem man freie Sicht auf den Gletscher haben sollte.

Der Gletscher Snæfellsjökull
Der Gletscher Snæfellsjökull

Uns bietet sich ein grandioser Anblick! Wir können uns kaum satt sehen und eigentlich brechen wir nur aus Arnastapi auf um den windschwachen Tag voll nutzen zu können. Glücklicherweise bleibt uns das tolle Wetter den ganzen Tag erhalten und so begleitet uns auch der Gletscher den gesamten Weg um die Westspitze der Halbinsel.

Auf der windigen Nordseite der Halbinsel

Tschüss Arnastapi! Nico auf der 574
Tschüss Arnastapi! Nico auf der 574

Wir schießen unzählige Fotos nur um sicher zu sein auch genau DAS Foto des Gletschers aufgenommen zu haben. Natürlich muss da auch ein Selfie von uns dabei sein. 😉

Auf der Nordseite der Halbinsel nimmt der Wind wieder merklich zu und wir sind gezwungen einige Gänge runter zu schalten. Aber was soll’s, heute kann uns auch der Wind die Laune nicht vermiesen! Zumal bei wenig Verkehr das Radfahren ein absoluter Genuss ist und uns auf der Nordseite die Landschaft kaum noch aus dem Staunen herauskommen lässt. Da hat der Reiseführer absolut nicht zu viel versprochen. 🙂

Die Nordseite des Gletschers Snæfellsjökull
Die Nordseite des Gletschers Snæfellsjökull

Bummlen im Fischerort Ólafsvik

Am Nachmittag schlagen wir in dem kleinen Fischerort Ólafsvik auf. Der erste Weg führt uns zum Fish & Chips Stand in der Ortsmitte. Wir witzeln, dass wenn das so weiter geht wir am Ende der Reise ohne Probleme einen Fish & Chips Reiseführer schreiben können. Auf jeden Fall ist uns der Appetit auf diese frittierte Köstlichkeit noch lange nicht vergangen! 🙂

Anschließend errichten wir unser Camp auf dem einfachen Zeltplatz am Ortsausgang. Ich fühle mich auf Anhieb in dem kleinen 900-Seelennest pudelwohl. Irgendwie drehen die Uhren hier merklich langsamer und daher fällt es uns auch nicht schwer hier wieder einen weiteren Tag zu verbringen. Zudem unbedingt auch der Wäschedienst ansteht. Im örtlichen Schwimmbad bekommen wir unsere Wäsche zu unserem Erstaunen kostenlos gewaschen. Auch nutzen wir den Tag in Ólafsvik für eine kleine Wanderung im umliegenden Fjell, bevor es wieder weiter Richtung Osten geht.

Auf geht's in Richtung Stykkishólmur
Auf geht’s in Richtung Stykkishólmur

Unser Ziel ist die Hafenstadt Stykkishólmur, oder von uns nur Stykki genannt. Über eine Brücke überqueren wir den Fjord Kolgrafafjörður. Was wir zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht wissen ist, dass diese Brücke aus der Luft wie ein riesiges Schwert über den Fjord ragt. Allerdings scheint der Bau im Jahr 2004 den gesamten Fjord sehr negativ zu beeinflussen, wovon regelmäßiges massenhaftes Fischsterben zeugt.

Und jetzt? Wie soll es weitergehen?

Fast drei Wochen sind wir nun unterwegs, in denen sich Island jeden Tag mit Sonnenschein von seiner besten Seite gezeigt hat. Okay,… wenn wir vom Wind einmal absehen, der uns teilweise ganz schön hat Fluchen lassen. Nun soll uns jedoch in den kommenden 2 Tagen das Wetterglück dauerhaft verlassen. Für den Rest unserer 4-wöchigen Reise ist Dauerregen gemeldet. Wir rätseln wie es weitergehen soll. Eigentlich wollten wir mit der Fähre von Stykkishólmur auf die Westfjorde weiterfahren und dort bis Ísafjörður radeln. Aber bei Dauerregen?? Was ist die Alternative? Den Bus ab dem Fähranlieger auf den Westfjorden nehmen? Mmhh.. das kann uns auch irgendwie nicht begeistern. Wir beschließen daher den letzten schönen Tag nicht auf der Fähre sondern in Stykki zu verbringen. Am ersten Regentag besteigen wir den Bus, der uns in mehreren Etappen wieder nach Reykjavik bringen wird. Aus meinen vorherigen Reisen nach Island weiß ich, dass auch Reykjavik immer einen Besuch wert ist. Vielleicht auch wieder diesmal? 🙂

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