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Fire & Ice on Bikes: Teil 2 – Golden Circle

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Ja, das war wohl nix! Wir haben unseren eigentlichen Plan, das Hochland auf der Sprengisandurpiste F26 zu durchqueren fallen gelassen. Weil uns das Ganze so gewurmt hat und wir den stellenweise für uns unfahrbaren Zustand der Piste nicht glauben wollten, testen wir noch die F208 nach Landmannalaugar an. Und was soll ich dazu schreiben? Die ist noch schlimmer. Dort kommt zusätzlich extremer Ausflugsverkehr hinzu. Immerhin ist es spannend zuzuschauen wie die Mietwagen, ja auch PKWs sind dabei, über das Waschbrett geprügelt werden. Die Autovermietung wird sich freuen! 😀

Wie es für den einen Škoda Octavia weiter geht ist zu diesem Zeitpunkt klar: Der geht in die Werkstatt! Nur was machen wir?

Wie es für den einen Škoda Octavia weiter geht ist zu diesem Zeitpunkt klar: Der geht in die Werkstatt! Nur was machen wir? Wie soll die weitere Tour gestaltet werden, so dass wir etwas von Island zu sehen bekommen und dabei noch richtig schön Radfahren können? Da müssen wir erst mal eine Nacht drüber schlafen und so beschließen wir im „Highland Center Hrauneyjar“ zu übernachten.

Ein neuer Plan muss her: Golden Circle!

Schon beim Abendessen liegt natürlich die Karte auf dem Tisch und nebenbei werden Möglichkeiten diskutiert, die wir beide schon auf den 20 km zurück zum Highland Center jeder für sich durchdacht haben: Die Tour irgendwie mehr oder weniger anders herum. D. h. den so genannten Golden Circle, an dem sich die bekanntesten Sehenswürdigkeiten Islands aneinander reihen und den wir eigentlich ganz am Schluss machen wollten, als nächstes Ziel und dann Richtung Westfjorde weiter. Irgendwie,… möglichst ohne die Ringstraße zu benutzen, um dem dort vorherrschenden Verkehr auszuweichen. Tja, das wird aber gar nicht so einfach, jetzt wo wir lernen mussten, dass unsere für 4 Wochen bepackten Räder und isländische Schotterpisten nicht wirklich harmonieren. Egal! Jetzt erst mal den Golden Circle und dann schauen wir weiter.

Mit dieser Vorstellung der nächsten Tage geht es die Sackgasse retour, in die wir hineingefahren sind. Allerdings ist sehr angenehm, dass es jetzt stetig bergab geht. Auch hat der Wind auf Nordost gedreht und drückt uns mit einem Affenzahn wieder aus dem Hochland grob in Richtung Küste. Da wir nun alles andere als im Stress sind halten wir bei jeder Sehenswürdigkeit, die uns diese kleinen blauen Schilder anpreisen. So besuchen wir auch den ersten von vielen Wasserfällen, den Hjálparfoss.

Die letzten Kilometer vor Flúðir heißt es für uns hart gegen den Wind ankämpfen. Hier bekommen wir einen ersten Vorgeschmack was uns die kommenden Tage erwarten sollte, auch wenn Simone dampfhammermäßig vorne im Wind Tempo macht. Ich muss irgendwann abreisen lassen, die ist doch verrückt,… wir sehen uns am Campingplatz von Flúðir!

Aber hey, ist nur für eine Nacht!

Dort verbringen wir die Nacht auf einer ziemlich buckligen Wiese mit einer Dusche für gefühlt 1000 Personen. Aber hey, ist nur für eine Nacht! Was wir jetzt noch nicht wissen können: Dieser Satz wird die kommenden 3,5 Wochen noch das ein oder andere Mal strapaziert werden. 😉

Geysir, Gulfoss & Bruarfoss

Am nächsten Morgen radeln wir zwei große „Must-See!“ von Island ab, den Großen Geysir und den Wasserfall Gulfoss. Der Verkehr erinnert uns stark an die Ringstraße. In unzähligen Reisebussen werden die Menschenmassen zu den blubbernden Löchern im Thermalgebiet des Großen Geysirs gefahren, der aber nur mehr sehr unregelmäßig ein Bäuerchen macht. Interessanter ist eigentlich der Strokkur, ein kleinerer Geysir nur wenige Meter neben seinem großen Bruder. Der Strokkur bricht mit einer beharrlichen Regelmäßigkeit aus und so kommen wir auch in den Genuss eine solche Heißwasserfontaine zu erleben! 🙂

Strokkur, der kleine Bruder vom großen Geysir legt los!
Strokkur, der kleine Bruder vom großen Geysir legt los!

Vom Gulfoss hingegen war ich ziemlich enttäuscht. Ein zugegeben recht imposanter Wasserfall den, von der Farbe her, Schokomilch hinunterfließt. Was mir aber ein bisschen den Spaß verdorben hat, ist die große Baustelle für ein weiteren Souvenirshop für die im 10 Minutentakt die Betonmischer auf den Parkplatz fahren. Echt ätzend, dabei ist 15 km entfernt beim Großen Geysir vom Souvenirshop, Restaurant über Hotel mit Helipad alles vorhanden. Aber so ist das eben, der Mensch will bespaßt werden und das möglichst bequem.

Der große Wasserfall Gulfoss
Der große Wasserfall Gulfoss

Die kommende Nacht verbringen wir auf dem unspektakulären Campingplatz Úthlíð. Allerdings kommen wir hier das erste Mal in den Genuss von einem Hot Pot dessen Eintritt im Campingplatz beinhaltet ist.

Simone beim Kartenstudium in unserem Camp in Úthlíð
Simone beim Kartenstudium in unserem Camp in Úthlíð

Weitaus sehenswerter finde ich eigentlich den Bruarfoss. Entlang eines 3 km langen Wanderwegs reihen sich einige kleinere Wasserfälle aneinander die glasklares bis hin zu türkis gefärbtes Wasser hinunterrauscht.

Während wir so Richtung Westen fahren scheint der Wind immer mehr zuzunehmen. Zum Glück haben wir ihn jedoch meist von schräg hinten, so dass wir heute zumindest noch nicht gegen ihn ankämpfen müssen. Zu dem Geflatter der Windjacken kommt dann aber irgendwann ein sandiges Gefühl zwischen den Zähnen hinzu und wir können stellenweise sehr gut beobachten wie es riesige Staubwalzen aus dem Hochland in Richtung Südwesten drückt. Gerade will ich nicht daran denken was es bedeutet hätte, wenn wir bei diesen Bedingungen doch die Piste F26 über die Sprengisandur unter die Reifen genommen hätten. Am ersten Abend wären wir schon gut sandgestrahlt gewesen…

Ruhetage in Selfoss

So erreichen wir unser heutiges Etappenziel Laugarvatn. Allerdings wirkt der Zeltplatz nicht sehr einladend und windgeschützt. Zudem wollten wir unseren ersten Ruhetag in Selfoss einlegen um dort Wäsche zu waschen und unsere Verpflegung in den großen Supermärkten zu ergänzen. Daher entscheiden wir schon heute in einem großen Rutsch bis nach Selfoss weiterzufahren. Sollten wir weiterhin den Wind so günstig stehen haben, sollten diese zusätzlichen 40 km zu schaffen sein. Also los!

Wir sind wieder zurück in Selfoss!
Wir sind wieder zurück in Selfoss!

Nächster Halt: Þingvellir

Die Ruhetage, am Ende sind es zwei geworden, verbringen wir mit ausruhen, lesen, einem Schwimmbadbesuch und vor allem viel Essen. Allerdings erreicht uns auch hier in Selfoss der Staub aus dem Hochland und so ist an dem Morgen, an dem wir wieder die Räder beladen um Richtung Þingvellir zu fahren, alles mit einer dünnen Staubschicht paniert, die sich nicht abklopfen oder abwischen lässt.

Auf der Straße 36 geht es Richtung Þingvellir
Auf der Straße 36 geht es Richtung Þingvellir

Unmittelbar beim Verlassen von Selfoss merken wir, dass es uns heute nicht leicht gemacht werden wird. Der Wind bläst uns stramm ins Gesicht und die voluminösen Packtaschen wirken wie ein Anker. Jeder Meter Strecke will hart erarbeitet werden. Aber was hilft es?! Wir legen niedrige Gänge ein und schrauben uns gegen den Wind voran. An der Südspitze des Sees Þingvallavatn entscheiden wir uns von der Straße 36 auf die Piste 360 zu wechseln und so den See auf seiner Westseite zu umfahren. Auch wenn das heißt abschnittsweise über Bremswellen zu holpern, stellt sich das Ganze doch als eine super Entscheidung heraus. Uns begegnen kaum Fahrzeuge und es fühlt sich so richtig nach Island an! Nach circa 15 km haben wir die Piste überwunden und es geht auf nagelneuem Asphalt weiter.

Ab jetzt sind wir zwar die Bremswellen los, dafür gilt es am Westufer des Þingvallavatn reichlich Höhenmeter zu fressen. Selten habe ich eine so wellige Straße so deutlich überblicken können. 😀

Ein reichlich welliges Profil am Westufer des Þingvallavatn
Ein reichlich welliges Profil am Westufer des Þingvallavatn

Bei leichtem Nieselregen erreichen wir den Zeltplatz direkt neben dem Infozentrum des Þingvellir. Nach über einer Woche auf Tour ist das Camp routiniert errichtet und wir sind auf dem Weg zu einer der großen Spalten, die wir schon auf der Anfahrt unmöglich übersehen konnten. Hier im Þingvellir-Nationalpark treffen nämlich die amerikanische und die eurasische Kontinentalplatte aufeinander. Dadurch kann man in einem kurzen Spaziergang ganz einfach von Ost nach West, von Europa nach Amerika wechseln. 😀

Spazierweg zwischen amerikanischer und eurasischer Kontinentalplatte
Spazierweg zwischen amerikanischer und eurasischer Kontinentalplatte

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