Entlang des Eisernen Vorhangs – Teil 2: Vom Arendsee bis zum Brocken

AB_Iron_Curtain_TrailFortsetzung meiner Radreise entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze…

Hier geht es zum Teil 1: Vom Priwall bis zum Arendsee.

Tag 5

Gestern Abend tauchte gegen 22:30 Uhr ein leuchtender Punkt hinter dem geschlossenen Campingplatztor auf. Stefan hat es nach einer 12 stündigen Odyssee in Zügen der Deutschen Bahn geschafft bis zu unserem Treffpunkt auf dem Campingplatz in Bergen an der Dumme zu gelangen. Die nächsten Tage werden wir zusammen entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze fahren, so der Plan…

Nach einem tollen Frühstück auf dem Campingplatz (Rührei mit Speck! 🙂 ) starten wir gemeinsam in Richtung Oebisfelde. Wir kommen vom Start weg gut voran. Durch das Quatschen während der Fahrt rollen die Kilometer gerade so dahin. Da wir uns Großteils auf Radwegen und wenig befahrenen Straßen bewegen können wir die meiste Zeit auch nebeneinander fahren. Perfekt!

Gegen Mittag machen wir einen ersten Stopp in einem Café in Diesdorf in dem wir unsere Speicher wieder mit einigen Kaffeestückchen aufladen. Ruck zuck erreichen wir so unser eigentlich geplantes Etappenziel Brome. Da gerade einmal früher Nachmittag ist entscheiden wir uns weiter bis nach Oebisfelde zu fahren und dort eine Unterkunft zu suchen, da in diesem Abschnitt der Tour die Campingplätze sehr rar sind.

Kurz vor Jahrstedt treffen wir auf ein tolles Freilichtmuseum, in dem der Grenzstreifen bis ins Detail restauriert ist. Außerdem sieht man dort die verschiedenen Ausbaustufen des Grenzzauns. Zu Beginn der Abgrenzung durch die DDR war die Grenze lediglich durch einen Bretterzaun gesichert. Über die Jahre entwickelte sich dann der Zaun bis zum nahezu undurchdringlichen Metallsteckzaun.

Kurz nachdem wir den Mittellandkanal überquerten erreichen wir unser Ziel, den kleinen Vorort von Oebisfelde, Breitenrode. Wir quartieren uns dort für eine Nacht in einem Hotel ein. Nach 5 Tagen Campingplatz habe ich gegen ein richtiges Bett sowieso nichts einzuwenden! 😉

Tag 6

Nach einem reichhaltigen Frühstück starten wir gegen 10:30 Uhr. Unser heutiges Ziel ist die kleine Stadt Hornburg. Dort werden wir wieder auf einem Campingplatz übernachten.

Das erste Zwischenziel ist der ehemaligen Grenzübergang Helmstedt-Marienborn an der A2. Dort waren während der deutschen Teilung etwa 1000 Grenzbeamte der DDR damit beschäftigt ein- und ausreisende Fahrzeuge und Personen genauestens zu überprüfen. Dazu wurde ein riesiges Areal mit verschiedenen Kontrollpunkten errichtet. Erst im November 1989 wurden die Grenzkontrollen in Marienborn aufgrund des politischen Zerfalls der DDR eingestellt.

Durch einen kräftigen Regenschauer gebremst fahren wir weiter auf der Suche nach einer Einkehr. Unglaublich wie wenige Cafés, Bäckereien und Supermärkte es in der ehemaligen Grenzregion heute gibt. Manchmal glaubt man, dass die Zeit still gestanden hat, zumindest was die Infrastruktur angeht. Erst in Offleben finden wir in einem kleinen „Tante-Emma-Laden“ eine dürftig bestückte Backtheke. Da wir schon einen kräftigen Hungerast haben kaufen wir kurzerhand die verbliebenen Brötchen und Kaffeestückchen auf. Kaum haben wir mit der Rast angefangen kommt auch wieder die Sonne heraus. So muss das sein und wir sind wieder mit uns und der Tour im Reinen. O-Ton Steffan: „Das ist das beste trockene Käsebrötchen, das ich je gegessen habe!“ 😀

Die nächste Station der heutigen Etappe ist der Braunkohletagebau in Schöningen. Ein riesiges Loch im Boden östlich der Gemeinde Schönigen unmittelbar nach dem Grenzdenkmal Hötensleben, dem schon einige Ortschaften in der Vergangenheit zum Opfer gefallen sind. In Sichtweite befindet sich das Kraftwerk in dem die Braunkohle direkt verstromt wird, damit auch nachts um 3 Uhr das Licht angeht wenn wir auf den Schalter drücken.

Gegen den starken Wind kämpfend geht es weiter in Richtung Westen, dem Tagesziels Hornburg entgegen. Als wir gegen 19 Uhr auf dem dortigen Zeltplatz ankommen, trifft zumindest mich der Schlag. Direkt wurden wir von ein paar dauercampenden „Vagabunden“ darauf hingewiesen, dass wir hier nicht bleiben können und überhaupt sollten wir aufpassen, dass uns ihre Kinder nicht nachts das Zelt anstecken. Aha… interessant…

Wir haben dann doch noch ein Eckchen etwas abseits auf dem Campingplatz gefunden auf dem wir „geduldet“ wurden. Eine wirklich strange Parallelgesellschaft… Da uns der Appetit vergangen ist hauen wir uns bald darauf in die Falle.

Tag 7

Nach einer regnerischen Nacht bin ich richtig froh, dass wir nur eine Nacht hier bleiben mussten. Ohne zu frühstücken packen wir alles zusammen,… bloß weg hier… Mich wundert es nicht, dass der Campingplatz von Hornburg in kaum einem Campingverzeichnis auftaucht. Das Frühstück können wir zum Glück am nächsten Supermarkt nachholen.

Heute steht jedoch die letzte Etappe der Tour auf dem Programm. Allerdings wird damit auch ein Highlight der Tour fällig, die Befahrung des Brocken im Harz. Schon gestern hat uns der Anblick des Brockens stellenweise begleitet.

Ziel ist der Campingplatz in Schierke auf halber Höhe zum Brockengipfel. Nach einem wirklich schweißtreibenden Anstieg über Schotterwege erreichen wir den genialen Campingplatz. Kein Vergleich zu Gestern, so muss ein Campingplatz sein! Die Betreiber sind selbst viel mit dem Reiserad herum gekommen und man merkt deutlich, dass sie ihren eigenen Campingplatz so gestaltet haben wie sie ihn sich selbst als Gast wünschen würden.

Nachdem wir eingecheckt haben bauen wir die Zelte auf und verstauen unsere Packtaschen in den selbigen. Anschließend nehmen wir die letzten 600 Höhenmeter hinauf zum Brockengipfel in Angriff.

Wie sich das Rad ohne Gepäck fährt!! Es erinnert mich stark an mein Rennrad… einfach ein Traum! 🙂

Ab Schierke ist die Brockenstraße für Autos gesperrt. Daher geht es ohne störenden Autoverkehr über besten Asphalt hinauf zum Gipfel. Mehrfach kreuzten wir die Gleise der Brockenbahn und haben sogar zweimal das Glück, dass gerade in diesem Moment die Bahn an uns vorbei „dampft“.

Nach 1 1/2 Stunden erreichen wir den Brockengipfel auf dem ein starker Wind bläßt. Leider hat an diesem Sonntagnachmittag das Brockenhaus bereits geschlossen. Daher genießen wir ausschließlich das Panorama. Wir haben nämlich das große Glück, dass der Brocken nicht, wie an den meisten Tagen im Jahr, von den Wolken eingehüllt ist. Nach dem obligatorischen „Gipfelfoto“ treibt uns der kalte Wind wieder vom Gipfelplateau herunter.

Auf der anschließenden Abfahrt können wir es richtig rollen lassen. Ruck zuck kommen wir so wieder in Schierke auf dem Campingplatz an, auf dem Stefan und ich die Tour bei dem einen oder anderen Hasseröder (die Brauerei ist unweit in Wernigerode) ausklingen lassen.

Morgen geht es dann mit der Bahn wieder zurück in die Pfalz…

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