Mein Reisemobil – Einbau der 2. Batterie

Was macht man, wenn man sich ein gesamtes Wochenende um die Ohren schlagen möchte, und am Ende nichts funktioniert? Richtig! Man baut in seinen T5 eine 2. Batterie ein. Und wer hier jetzt eine Einbauanleitung erwartet ist echt falsch gewickelt… 😀

2. Batterie im Stromlaufplan

In meinem Stromlaufplan erschien alles so einfach: Über ein Trennrelais wird die 2. Batterie mit der 1. Batterie (Fahrzeugbatterie) parallel geschaltet. Wenn der Motor läuft wird das Relais geschlossen und die Lichtmaschine lädt beide Batterien. Sobald der Motor steht öffnet sich das Relais und beide Batterien werden getrennt. Gesteuert wird das Relais über das Steuersignal D+ (Dynamo + Pol) der Lichtmaschine an dem >12V anliegen sobald sich die Lichtmaschine dreht, also der Motor läuft. Alle notwendigen Bauteile waren in einem Set enthalten, dass ich in einem großen Online-Auktionshaus erworben habe.

2016: Odyssee in der Werkstatt

Im Vorfeld hatte ich bereits kurz gegoogelt wo man in einem T5 ein D+ Signal geschickt abgreifen kann. Am einfachsten erschien mir das Abgreifen des Signals mittels Stromdieb im Verteilerkasten unter der Fahrzeugbatterie im Motorraum. Da ich eh ein dickes Kabel mit 25mm² vom +Pol der 1. Batterie vom Motorraum zum Wohnbereich ziehen musste, habe ich direkt das Steuerkabel mitverlegt, vor dem finalen Zusammenbau alles gegen Masse durchgemessen und für gut befunden. Bei stehendem Motor liegen am Steuersignal 0V und im Betrieb >14V (Ladespannung der Lichtmaschine) an. Also weiter ging das fröhliche Verkabeln. Irgendwann waren alle notwendigen Komponenten unter dem Fahrersitz verbaut (dort ist auch eine von Werk ab bestellte 2. Batterie untergebracht), eine Schraube verschlampt und eine T5 typische Roststelle am Fahrersitz gefunden. Da muss ich im Sommer wohl nochmal ran…

Abgesicherter Anschluss der Zweitbatterie am +Pol der Fahrzeugbatterie

Ich drehe den Zündschlüssel und starte den Motor in freudiger Erwartung eines „Klackens“ des Trennrelais… Nichts passiert! Vielleicht ist das „Klacken“ auch nur sehr leise und geht im Anholpern des Selbstzünders verloren? Ich messe geschwind den Durchgang durch das Relais. Nichts! Das Relais macht einem Isolator alle Ehre und schaltet nicht.

Der Übeltäter, das Trennrelais

In einer Ruhe, die für mich an grenzenloser Selbstbeherrschung grenzt und mich selbst am meisten überrascht, mache ich mich auf die Fehlersuche. Hier und da wird gemessen. Ich stelle fest, dass die Spannung des Steuersignals im angeschlossenen Zustand stark absinkt im Vergleich zu meiner vorherigen Messung. Es schein doch nicht so einfach zu sein wie ich zuerst angenommen habe. Ich packe zusammen und mache schon am frühen Nachmittag Schluss in der Werkstatt. Heute wird das nichts mehr. Außerdem möchte ich nicht am Ende noch einen Schaden an der Elektrik des Fahrzeuges verursachen der mich teuer zu stehen kommen könnte.

Gehen Sie zurück auf Los!

Zu Hause fange ich erneut an zu recherchieren. In einschlägigen Onlineforen kann sich keiner ein Reim aus meinem Problem machen. In einer Amazon-Rezession werde ich schließlich mit einer sinnvollen Erklärung fündig.

Geplant war das Relais über das sog. D+ Signal zu schalten, was bei diesem Verwendungszweck gängige Praxis ist.
Das Relais benötigt einen Spulenstrom von ca. 500mA um zu schalten.
Leider hat das Signal beim VW T5 nicht genug Leistung um die 500mA aufzubringen und so war es notwendig ein weiteres, kleineres Relais zu verbauen über welches das Nagares Relais geschalten wird.

Für mich als Nicht-Elektroniker klingt das einleuchtend! In meinen Unterlagen zu dem Relais wird ein Schaltstrom von 350mA angegeben. Vielleicht benötigt es jedoch beim Anziehen bis zu 500mA? Das müsste man mal durchmessen… Es kann also gut sein, dass durch die erhöhte Stromaufnahme des Relais auch die Spannung an den Anschlusspolen abfällt, da bei konstanter Leistung an der Signalleitung die Spannung absinken muss (P=U x I) und dadurch die Ladeelektronik des Busses durcheinander kommt.

HAL übernehmen Sie!

Neben der angeblichen Möglichkeit das D+ Signal im Verteilerkasten abzugreifen treffe ich im Internet immer wieder auf die Möglichkeit am Bordnetzsteuergerät einen Pin als Steuersignal zu belegen. Dies scheint aber auch wieder nicht in allen Fahrzeugversionen möglich zu sein und außerdem müsste ich dann nochmals an den Kabelbaum des Fahrzeuges und das Steuergerät neu programmieren lassen. Zusätzlich scheint es bei den modernen Fahrzeugen kein D+ Signal mehr im klassischen Sinne zu geben, da die Ladeelektronik der Fahrzeuge immer komplexer wurde. Daher eventuell auch die begrenzte Leistung des Steuersignals?! Von D+ zu sprechen scheint daher wohl auch nicht mehr zeitgemäß. 😉

Zum Glück gibt es noch eine weitere Möglichkeit die mir recht komfortabel erscheint. Mittels eines „D+ Simulators“ kann man wie der Name schon sagt das D+ Signal der Lichtmaschine imitieren. Eine kleine elektronische Schaltung erkennt sobald die Bordnetzspannung 13,7V übersteigt und schaltet wenige Sekunden zeitversetzt das Relais. Dies ist nur der Fall sobald die Lichtmaschine seine Ladespannung von mehr als 14V liefert. Sinkt die Bordnetzspannung unter 13V trennt das Relais wieder. Und das Ganze bei minimalem Verkabelungsaufwand, da alle notwendigen Leitungen bereits liegen. Angenehmer Nebeneffekt ist auch, dass die Leitung im Verteilerkasten nicht zusätzlich über den liederlichen Stromdieb belastet wird.

Der Einbau geht schnell von statten. Mit den Minimaßen von 70x35x20mm³ findet sich garantiert ein kleines Plätzchen für die Schaltung unter dem Fahrersitz. Der D+ Simulator wird an die Masse und den Pluspol vor dem Trennrelais angeschlossen. An die Steuerleitung wird das Trennrelais gegen Masse geschaltet. Mit einem maximalen Haltestrom von 1A sollte nun stromseitig nichts mehr im Wege stehen.

Der große Moment erfolgt beim ersten Drehen des Schlüssels. Der Motor holpert an und 4 Sekunden später klackt das Relais! Oh Freude, schöner Götterfunken!

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