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Mein Reisemobil – Ein Tarp als Vorzelt

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Nach knappen 2 1/2 Jahren gibt es ein Update zu meinem Reisemobil. Wiederholt habe ich im vergangenen Sommer die Erfahrung gemacht vor dem Bus im eigenen Saft zu schmoren, da kein Hauch die Luft bewegte. Spätestens dann wurde klar, dass zumindest für Aufenthalte auf dem Campingplatz eine Art Sonnenschutz her muss.

Ein klassisches Steilwandvorzelt kam jedoch nicht in Betracht, da ich den Auf- und Abbau scheue. Stattdessen soll es ein Tarp werden, das ich am Dach befestigen und mit zwei Stangen abspannen kann. Nach kurzer Zeit der Googlenutzung war zudem klar wie das Tarp am besten befestigt wird. Das Tarp wird in eine Kederschiene eingeschoben und so auf die gesamte Länge dicht mit dem Busdach verbunden. Dadurch sollte man auch bei Regen trockenen Fußes aus dem Bus heraus kommen. Die Kederschiene bekommt man in Längen von 3m als stranggepresstes und eloxiertes Profil im Internet. Eigentlich ist das Profil recht günstig, aufgrund der Länge jedoch recht teuer zu verschicken. Hier rentiert es sich besonders die Versandkosten der einzelnen Anbieter zu vergleichen.

Befestigung der Kederschiene am Dach des Bullis

Die Kederschiene wird an den fünf Anschraubpunkten im Blechfalz der Dachreling des VW T5 befestigt. Diese Dachreling ist bei meinem Kastenwagen standardmäßig nicht vorhanden, die Anschraubpunkte jedoch schon. Im ersten Schritt habe ich die vorhandenen Schrauben entfernt und den Dachfalz gereinigt.

Dachfalz mit demontierten Schrauben
Dachfalz mit demontierten Schrauben

Anschließend habe ich die mögliche Schienenlänge ausgemessen. Ich habe eine Länge von 284 cm gewählt und die Kederschiene entsprechend abgelängt. Damit die Schiene hinter der letzten Schraube nicht vom Dach absteht, wurde die Schiene vorsichtig an diesem Ende gebogen. Allerdings muss man hier wirklich mit sehr viel Gefühl zu Werke gehen, dass die Schiene nicht knickt und sie auch nicht zu sehr gebogen wird, da sich das unsymmetrische Profil zwangsläufig beim Biegen verdreht. Anschließend wird die mittlere Bohrung vom Dach auf die Schiene übertragen und entsprechend weit vom Schienenrand angerissen um ausreichend Platz für die breiten Köpfe der serienmäßigen Schrauben zu bieten. Nach Körnen, Bohren und Entgraten wird die Schiene testweise aufs Dach geschraubt und die restlichen Bohrlöcher übertragen.

Um den Lack des Bullis zu schonen wird die Kederschiene entfettet und auf der Unterseite mit 30mm breitem selbstklebendem Moosgummi beklebt. Nun noch die Bohrungen durchstoßen und schon ist die Schiene montagefertig. Mit etwas Dichtmasse auf MS-Polymerbasis werden die Gewinde im Bullidach abgedichtet. Hier braucht es nicht viel Dichtmasse, da sie sonst überall herausquillt. Nun die Kederschiene aufschrauben. Die Rundung zwischen Dach und Schiebetür des Bullis habe ich mit Lackschutzfolie beklebt, da sich hier zwangsläufig das Tarp auf das Blech auflegt.

Fertigmontierte Kederschiene auf dem Dach meines Reisemobils
Fertigmontierte Kederschiene auf dem Dach meines Reisemobils, noch ohne Lackschutzfolie

Anpassung des Tarps

Zu Beginn ich über einen Eigenbau des Tarps nachgedacht, um genau meine Wunschmaße zu treffen. Allerdings wurde schnell klar, dass ich besser zu einer Kauflösung greife. So wurde es ein Tatonka Tarp 2 TC. Das gibt es im Angebot schon für unter 100 EUR. Dafür bekommt man nicht einmal das Material für einen Selbstbau… Hier gilt einfach die Augen offen halten.

Das Tarp wird mit einer Größe von 300 x 285 cm² angegeben. Anders als auf den Bildern der Tatonka-Homepage dargestellt, sind diese Maße jedoch incl. der Schlaufen an den Ecken. D.h. das Tarp passt hervorragend entlang der 285 cm langen Kante in meine 284 cm lange Kederschiene und hat links und rechts sogar noch etwas Luft. So wird das Einschieben und Ausrichten des Tarps nicht zum Geduldsspiel. 😉

Den Keder, den ich gleich bei der Kederschiene mitbestellt habe, hat mir meine Mama an das Tarp genäht.

Annähen des Keders am Tatonka Tarp 2 TC
Annähen des Keders am Tatonka Tarp 2 TC

So konnte nach etwa 2h eine erste Anprobe des Tarps durchgeführt werden. Abgespannt wird das Tarp über zwei günstige Decathlon Zeltstangen aus Stahl und jede Menge Paracord. Die Fläche die sich unter dem Tarp bildet ist wirklich gigantisch und reicht locker für eine Sitzgruppe aus.

Und einmal testweise aufgebaut in den heimischen Weinbergen
Und einmal testweise aufgebaut in den heimischen Weinbergen

Fazit

Natürlich hängt das Tarp beim klassischen Abspannen mit zwei gleich langen Zeltstangen etwas durch und neigt dazu „Wassersäcke“ im Regenfall zu bilden. Auch die Windanfälligkeit ist sehr hoch. Dafür hat man einen sehr luftigen sonnengeschützten Sitzplatz vor dem Bus.

Ich werde im kommenden Frühjahr und Sommer jedoch etwas beim Abspannen experimentieren. Eventuell bekommt man den Aufbau stabiler hin, wenn man bei einer Zeltstange ein Element weniger einsetzt. Dadurch steht das Tarp leicht schief und bekommt etwas „Sonnensegelimage“. Auch kann man dann nicht immer zum Nachbarn auf dem Campingplatz rüber schauen. 😀 Außerdem hat das Tarp derart viele Abspannpunkte, dass man es eigentlich immer irgendwie und irgendwo festknibbeln können sollte. Wozu gehe ich den klettern und habe diese ganzen Knoten gelernt… 😉 Falls alle Stricke reißen ist das Tarp auch unter 3 Minuten wieder abgebaut und im Bus verstaut. Ich werde auf jeden Fall hier meine Erfahrungen nachtragen.

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