Iceland – Tag 6: Finale Etappe im Angesicht des Eyjafjallajökull

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Am 6. Tag wartete die „Königsetappe“ auf uns. Mit geplanten 25 km und 900 HM sollte diese Etappe die körperlich anspruchsvollste auf unserer Reise auf dem Laugavegur werden.

Der allgegenwärtige Begleiter war der Eyjafjallajökull, der 2010 bei seinem Ausbruch so viel Asche ausgespien hat, dass er damit einige Tage den Flugverkehr im gesamten Europa zum Erliegen brachte. Aber von Anfang an!

Wir starteten unseren Aufstieg zum Pass Fimmvörðuháls gegen 9 Uhr in Básar. Wiedermals begegnete uns „unser“ Kanadier. Total verkatert verabschiedete er uns mit den Skogar_03Worten, dass er noch ein bisschen warten würde bis er selbst aufbricht. Da hat wohl jemand nicht rechtzeitig vom Feuer des Vorabends zurück zum Zelt gefunden. 😉

Der Aufstieg begann kurz nach dem Campingplatz mit einigen Stufen. Der Weg schlängelte sich steil, jedoch gleichmäßig den Berg hinauf. Teilweise war er so stark ausgesetzt, dass Ketten oder Seile zur Sicherung am Felsen verankert waren. So überwanden wir einige sehr steile Passagen.

Anschließend ging es ca. 1 km über eine Skogar_04Hochebene. Hier war von der üppigen Vegetation des Þórsmörk nichts mehr zu sehen. Nun waren wir definitiv „am Berg angekommen“. Kurz nach der ersten Hochebene mussten wir ein weiteres Mal einen sehr steilen und steinigen Anstieg bewältigen. So ging es noch einige Male weiter bis auch die letzten Grashalme verschwunden waren und wir uns wieder mitten in einer unwirklichen Lavawüste wiederfanden.

Skogar_05Die Anstiege waren teilweise so steil und rutschig, dass wir die „50 Schrittetechnik“ erfanden: 50 Schritte – anschließend 1/2 Minute Pause.

An der Morinsheiði trafen wir auf die ersten Spuren des Ausbruches von 2010. An mehreren Stellen war Lava in die tiefen Einschnitte der Bergseite gestürzt. Erstaunlicherweise fanden wir keine Asche. So hatten wir uns das eigentlich nicht vorgestellt, hatte der Eyjafjallajökull doch mit seiner Asche für Skogar_09mehrere Milliarden Verluste im europäischen Luftverkehr gesorgt. Aber solche Gedanken interessierten bei dem sich uns bietenden Panorama zurück ins Þórsmörk eigentlich niemanden… 😉

Immer weiter ging es Richtung Süden bis wir ein Großteil der 900 HM bergauf zurück gelegt hatten und die Hütte auf dem Pass Fimmvörðuháls in Sicht kam (hier ist es möglich zu Übernachten und so die Etappe in zwei Teile aufzuteilen). In Sichtweite der Hütte überquerten wir ein großes Lavafeld von 2010 das stellenweise noch dampfte. Bei dem Gedanken daran dass hier, vor gerade mal 2 Skogar_10Jahren flüssige 800-1200°C heiße Lava geflossen war wird einem ganz anders. Dennoch war es ein Erlebnis für das wir dankbar sind.

Inzwischen wurde uns auch klar wo die Vulkanasche geblieben ist. Diese musste vom Wind komplett in Richtung Süden getrieben worden sein, denn nun versanken wir bis zu den Knöcheln in der feinen Asche.

Nach weiteren 1,2 km auf denen sich Asche- und Eisfelder abwechselten trafen wir auf die Nothütte Baldvinsskali, in deren Windschatten wir unsere erste Rast machten. Wieder gab es Skogar_11Dosenbrot mit Pfälzer Fleischwurst. Leider hatte die Hütte schon ihre besten Jahre hinter sich. Sie war sehr stark zugemüllt. Überall in der Hütte lagen Plastikverpackungen und leere Bierdosen verstreut. So richtig konnten wir in dieser Umgebung die Pause nicht genießen und es zog uns weiter in Richtung Küste, die wir bereits von diesem Punkt am Horizont erkennen konnten.

Wir begannen mit dem Abstieg nach Skogár, der zum Glück recht flach und gleichmäßig beschaffen war. Einige Kilometer ging es mit großen Schritten entlang einer Schotterpiste weiter bergab. An der Furt der Skógá verließ der Wanderweg wieder die Piste und wir konnten den Fluss dank einer Fußgängerbrücke trockenen Fußes überqueren. Hier trafen wir auch wieder auf erste Spuren der Vegetation. Mit jedem Höhenmeter den wir tiefer stiegen wurde das Grün satter.

Immer Skogar_12entlang der Skógá ging es an mehreren Wasserfällen vorbei. Die letzten 5 km zogen sich wie Kaugummi und so langsam schmerzten die Füße. Bei einer kleinen Pause an einem der Wasserfälle luden wir die „Akkus“ für die letzten Meter auf und kamen wahrlich wie erschlagen nach 7h reiner Gehzeit in Skógar an. Wo der Fluss an der Kante des Skógafoss 60 Meter in die Tiefe stürzte und eine gewaltige Gischt erzeugte.

Hier erwartete uns ein kleiner Zeltplatz direkt am Wasserfall. Schnell war das Zelt aufgebaut und im nahegelegenen Kiosk das Notwendigste eingekauft. Mit zwei sündhaft teuren Dosen Bier (ca. 8 EUR pro 0,5er-Dose!) feierten wir unsere Ankunft in Skógar und das Ende unserer Reise auf dem Laugavegur. Am nächsten Morgen brachte uns der Bus zurück nach Reykjavik…

Tour-Daten:
24,8 km / 900 HM

Hier geht’s zur Tourübersicht: Laugavegur 2012

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