Robust: Russischer Benzinkocher vorgestellt

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AB_Russischer_Benzinkocher

Auf einem meiner Streifzüge durch das Internet bin ich auf eine Perle der Vergangenheit gestoßen, einen russischen Benzinkocher einfachster Bauart. Auf einem bekannten Onlineauktionshaus wurde ich nach kurzer Suche fündig und schon wenig später stand das Paket mit dem Kocher vor meiner Haustür. In diesem Artikel möchte ich Euch den Kocher und sein Funktionsprinzip vorstellen. Vielleicht kann er sich als eine echte Alternativen zu modernen Kochern behaupten?

Russischer Nachbau des Optimus 8R

Im Grunde handelt es sich bei dem russischen Kocher um einen Nachbau des schwedischen Optimus 8R. Dieser Kocher wird nun seit 70 Jahren hergestellt und erfolgreich eingesetzt. Leicht modifiziert ist er unter dem Namen Hiker+ weiterhin im Sortiment von Optimus.

Aufbau und Funktionsprinzip

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Der Kocher ist kompakt in der Blechbüchse verpackt,…

Der Kocher ist so einfach wie möglich aufgebaut. Sein Packmaß beträgt geschlossen 85x135x135 mm (HxBxT). Durch seine Würfelform ist er besonders in Kisten (z.B. Geländewagen) super zu verstauen. Sein Gewicht ist hingegen nicht sehr trekkingfreundlich. 780g ohne Benzinfüllung sind einfach bleischwer und absolut nicht zeitgemäß. Im Vergleich dazu wiegt mein Primus OmniLite Ti mit Pumpe und Brennstoffflasche 430g.

Klappt man den Kocher auf werden Brenner und Benzintank sichtbar. Beide Teile sind fest verbunden und können etwa 35 mm verschoben werden, so dass der Brenner zwischen den beiden Topfauflagen positioniert wird. Nun kann auch der Regelstab seitlich durch das Gehäuse auf das Ventil gesteckt werden. Schon ist der Kocher fertig aufgebaut und bereit zum Anlassen. 😉

...aufgeklappt kommt der simpele Aufbau zum Vorschein,...
…aufgeklappt kommt der Brenner zum Vorschein,…

Wie alle Benzinkocher basiert das Funktionsprinzip auf dem Vergasen und anschließenden Verbrennen von Benzin. Anders als bei Kochern mit räumlich getrennter Brennstoffflasche benötigt der „Russenkocher“ keine Pumpe. Der Benzintank ist so nahe am Brenner angebracht, dass die Abwärme des Kochers bereits Benzin im Tank vergast. Dadurch wird flüssiges Benzin in den Brenner gedrückt. Auf dem Weg dorthin wird das Benzin gasförmig und anschließend im Brenner verbrannt. Dieses Prinzip ist mitkoppelnd, d.h. es verstärkt sich bis zu einem bestimmten Grad selbst. Dies führt aber auch zu einer sehr schlechten Regelbarkeit, so dass der Kocher eigentlich nur die zwei Betriebszustände kennt – Vollgas und Aus. 😉

... und auseinandergezogen ist er ruck zuck bereit.
… und auseinandergezogen ist er ruck zuck bereit.

Ein geniales Detail versteckt sich dennoch im Regelmechanismus. Dreht man das Ventil komplett auf wird mit einer Nadel die Düse des Brenners von innen durchstoßen. Mit etwas Übung geht dabei der Kocher nicht aus. So kann man also bei verunreinigtem Benzin schnell und einfach die Düse reinigen sobald sie beginnt sich zuzusetzen.

Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme ist sehr einfach. Dennoch sollte man die notwendige Sorgfalt walten lassen und den Kocher nur im Freien (auch nicht im Zelt) betreiben.

Das Vorheizen dauert 1-2 Minuten
Das Vorheizen dauert 1-2 Minuten

Nachdem der Tank des Kochers 3/4 mit Benzin befüllt wurde schraubt man den Verschluss wieder auf und prüft ihn auf festen Sitz. Vorher sollte man noch mit einem Blick den Zustand der Dichtung und des Überdruckventils prüfen. Diese Dichtung ist für die Sicherheit während des Betriebs sehr wichtig! Auf keinen Fall den Kocher ohne oder mit einer defekten Dichtung in Betrieb nehmen: Explosionsgefahr!

Übrigens rate ich dringend davon ab Benzin von der Tankstelle zu benutzen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Der normale Autokraftstoff beinhaltet Additive, u.a. Benzol, die beim Umgang und Verbrennen krebserregend wirken. Daher nach Möglichkeit Kocherbenzin, s.g. Alkylatbenzin, von Primus und co. verwenden. Der geringe Mehrpreis sollte einem die eigene Gesundheit wert sein. 🙂

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Flott ist unterwegs ein Kaffee gezaubert…

Außerdem den Kocher immer mit dem Tank von allen Personen weggedreht benutzen! Sollte es zu einem Überdruck im Tank kommen strömen Benzindämpfe durch das Überdruckventil schlagartig aus und entzünden sich. Mir ist es noch nicht passiert aber man liest von Stichflammen von bis zu 1 Meter Länge. Also Vorsicht mit den Augenbrauen… 😉

Nun wärmt man den Tank etwas mit der Hand an und öffnet gleichzeitig das Ventil mit der Regelstange. Nach einem kurzen Moment sollte flüssiges Benzin aus der Düse gedrückt werden. Sobald die ringförmige Vorheizschalte unter dem Brenner vollgelaufen ist schließt man das Ventil wieder. Nun ist der Kocher zum Vorheizen bereit.

Jetzt das Benzin in der Vorheizschale anzünden und warten… Kurz bevor die Vorheizflamme erlischt das Ventil langsam aufdrehen. Nun sollte der Kocher problemlos starten. Das anfänglich auftretende Stottern legt sich nach 1-2 Minuten wenn er seine richtige Betriebstemperatur erreicht hat. Mit aufgesetztem Topf gehts noch schneller. Nun könnt Ihr kochen… 😉

Zum Ausmachen einfach das Ventil wieder schließen und den Kocher vor dem Verpacken abkühlen lassen.

Fazit

Einige unter Euch werden sich nun fragen: „Warum zum Teufel braucht der so ein Teil wenn er doch einen Titankocher hat!?“. Tja gute Frage. Es gibt Dinge die braucht man nicht,… muss man aber haben. 😉 Für Diejenigen, die mit dem Defender durch die Wüste fahren, ist dieser Kocher übrigens ein „Must have“! 😀

Dieser Kocher ist ein super Beispiel dafür, dass es nicht immer das highend Gerät aus dem 21. Jahrhundert sein muss. Es tut auch ein einfacher und herrlich schlecht verarbeiteter russischer Benzinkocher von eBay für deutlich unter 50 EUR.

Durch den simplen Aufbau kann quasi nichts kaputt gehen und Leistung hat er auch ordentlich was der glühende Brennerkopf und Topfauflage eindrucksvoll zeigt. 😉 Wer also auf der Suche nach einem günstigen Benzinkocher ist, der ordentlich Dampf unter den Topf bringt und gleichzeitig für einen schmalen Taler zu haben ist, sollte sich den „Russenkocher“ genauer beschauen! 🙂

10 Antworten

  1. […] ich Euch vor kurzem den russischen Nachbau eines schwedischen Optimus Benzinkocher vorgestellt habe, hat mich das Thema Benzinkocher so schnell nicht mehr los gelassen. Daher war es […]

  2. CLJ
    | Antworten

    über ca 300 g Differenzgewicht ein Wort verlieren, aber dann statt nur eines Multifunktions-becher-Kochgeschirrs eine KANNE dabei haben finde ich inkonsequent.
    Multifunktion ist für mich : eine GB / UK Armee Alu Kochschüssel, wie sie für die Taschen des 58 Pattern Webbing paßt.

    Und wenns schon Russe ist, dann ist Multifunktion für den Winter die kombinierte Zeitheizung / Kocher Typ : EVEREST. S.a. eigene www Recherche.
    PRO : Es passen ca 50 % der Ersatzteile wie sie auch bei den Kochern der SHMEL reiche verbaut wurden. Damit ist der Unterhalt billig.
    das Gerät ist robust und hat ordentlich Wärmeabgabe.
    Wers größer braucht, kauft das nächstgrößere Gerät Typ : LUCH. Auch hier wieder : ca 50 % der Teile sind mit dem 2 Loch Benzinkocher Typ SHMEL 3 baugleich.
    Bezug ist z ZT ausschließlich aus Litauen / Ukraine etc.

    Grüße

  3. Albert Rechberger
    | Antworten

    …hallo, hatte vor Jahren (eigentlich eher Jahrzehnten) den 111er von Optimus. Nach mittlerweile 5 Übersiedlungen ging der irgendwo unter. Danach Wechsel auf Coleman (nach über 10 Jahren trotz „Pflege“ hinüber).
    Der Optimus hiker+ ist sauteuer und hat auf diversen Foren für dieses Geld auch eher dürr abgeschnitten (Verarbeitung, Qualität). Darum meine Überlegung nochmal Coleman oder mal diesen „Russenkocher“ probieren.
    Muss den Kocher nicht im Rucksack spazieren tragen (Gewicht daher zweitrangig) sondern entweder im HZJ75 oder der Honda XR transportieren…für´s Moped kann ich mir ja zur Not auch einen „Alpinisten-Brenner“ zulegen..mit der Bitte um Mitteilung der Bezugsquelle – Besten Dank!

    • nico
      | Antworten

      Hallo Albert!
      Ich habe den Kocher damals auf eBay erworben. Allerdings steht meiner auch zum Verkauf, also wenn Du mir ein Angebot machst können wir uns vielleicht einigen? 😉
      Melde Dich bei Interesse einfach unter folgender E-Mailadresse: nico@auf-tour.info
      Grüße!

      nico

  4. Der Grübler
    | Antworten

    Ich habe mir den sehr guten Kocher ’85 in Moskau gekauft.
    Er passt genau in einen kleinen Trangiatopf. Hatte ihn dann 18 Jahre in Gebrauch. Dann fing er an an den Verschraubung zu lecken. Da half auch das beiliegende HT-Fett nicht mehr.
    Aber – für damals 15 Rubel …

    • nico
      | Antworten

      Hey! Danke für Deine Erfahrungen zu einem Langzeittest besonderer Art… 😀 Wievielen DM entsprach denn damals die 15 Rubel? Heute kostet das Modell von Optimus ja über 200 EUR! 😮
      Grüße!

      nico

      • Der Grübler
        | Antworten

        45 Mark der DDR. Also je nach Schwarzmarktkurs 5 … 15 DM.
        „Wirtschaftliche und soziale Integration …“ (Google Books) verweist auf S.249 Fussnote 18 aufs Statistische Bundesamt. Danach galt 1985 für die DDR 1TR=1.269DM. Das wären dann 19DM.

        • nico
          | Antworten

          Danke für die Info! Das ganze ist quasi vor meiner Zeit… 😉 Bin Jahrgang ’84. 😉
          Grüße!

          nico

  5. Sascha
    | Antworten

    Ich besitze diesen Benzinkocher seit Jahren, er hat mich nie im Stich gelassen und leistete bis vor Kurzem immer treue Dienste.
    Leider ist mir das Überdruckventil beim Transport auseinander gefallen und die darin befindliche Feder abhanden gekommen.
    Kann mir einer sagen welche Feder in dem Übderdruckventil verbaut ist?

    • nico
      | Antworten

      Hallo Sascha!
      Leider kann ich Dir da nicht mehr helfen. Ich habe den Kocher inzwischen verkauft. Vielleicht findet sich aber noch ein Leser der in seinem Überdruckventil „nachschauen“ kann. Eventuell kannst Du auch bei Optimus nachfragen. Die haben den Kocher unter der Bezeichnung Hiker+ für abartig viele Euronen im Angebot:

      https://www.optimusstoves.com/de/de/272-8016278-optimus-hiker-plus

      Grüße!
      nico

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