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Erste Hilfe und Reiseapotheke

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DRF_Rettungshubschrauber
Oft ist nur eine Rettung aus der Luft möglich; hier durch einen Hubschrauber der DRF Luftrettung [1]

Auf einer mehrtägigen Trekkingtour sollte man die Relevanz von erster Hilfe und die dazu notwendige Ausrüstung nicht unterschätzen. Je länger man sich in unwegsamen Gelände bewegt desto höher wird die Wahrscheinlichkeit Opfer eines Unfalls zu werden. Kommen nun noch lange Etappen und schweres Gepäck hinzu wird dieser Umstand zusätzlich verschärft.

Verständlicherweise möchte niemand in eine derartige Notsituation geraten. Jedoch ist niemand dagegen 100% gefeit. Daher sollte jeder Outdoorbegeisterte erste Hilfe Techniken beherrschen und ein geeignetes erste Hilfe Set mit sich führen, denn es gilt um Leben zu retten muss man kein Arzt sein!

Rettungskette

Rettungskette
Die fünfgliedrige Rettungskette [2]

Die Rettung aus Notsituationen läuft für gewöhnlich nach der fünfgliedrigen Rettungskette ab. Die einzelnen Glieder der Kette sind:

  1. Absichern/Eigenschutz
  2. Notruf/Sofortmaßnahmen
  3. Weitere Erste Hilfe
  4. Rettungsdienst
  5. Krankenhaus

In Regionen mit einer hervorragenden medizinischen Versorgung wie der Bundesrepublik kann man davon ausgehen, dass nach dem Absetzen des Notrufs innerhalb weniger Minuten Hilfe in Form eines Rettungswagen oder Hubschraubers eintrifft (Rettungskette Glied 4). Wie so etwas abläuft seht ihr in dem Video der DRF Luftrettung.

Das bedeutet, dass die Verweilzeit des Verletzten am Ort des Unfalls (Rettungskette Glieder 1-3) sich auf einen kurzen Zeitraum beschränkt. Anders ist dies in unwegsamen Gelände in dem womöglich der Handyempfang eingeschränkt ist. Hier benötigt die Alarmierung des Rettungsdienst und das Eintreffen mit unter Stunden bis Tage. Das dies durchaus der Fall sein kann beschreibt Dieter Graser eindrucksvoll in seinem Reisebericht von seiner Langjökull-Überquerung auf Island. Lässt die professionelle Hilfe auf sich warten muss also der Verletzte über einen langen Zeitraum bis zum Eintreffen der professionellen Hilfe versorgt und betreut werden.

Notruf 112 europaweit

Euronotruf_112
Euronotruf 112 [3]

Unterwegs ist das Absetzen eines Notrufs mitunter nicht immer möglich. Wir hatten beispielsweise auf unserer Hardangervidda-Überquerung im vergangenen Sommer fast nie Handyempfang. Hier sollte man im Vorfeld prüfen ob nicht sinnvoller ein Satellitentelefon anstatt eines Smartphones mitgeführt wird. Satellitentelefone kann man übrigens recht günstig mieten, da sich meist eine private Anschaffung nicht rentiert. Auch sollte man vor dem Tourstart die örtliche Notrufnummer recherchieren. In Europa ist dies inzwischen einheitlich die 112.

Erste Hilfe Kurs

Der letzte erste Hilfe Kurs liegt bei den meisten Personen bis zu Zeiten des Führerscheinerwerbs zurück. Aus eigener Erfahrung können wir berichten, dass sich in den letzten Jahren an den Kursinhalten viel verändert hat. Hier heißt es unbedingt auffrischen! Lehrgänge bietet nahezu jeder örtliche Rettungsdienst (z.B. DRK) an. Ein kleiner Tipp von uns: Bietet Eurem Arbeitgeber an Euch als Ersthelfer im Betrieb einzusetzen. Für gewöhnlich wird das von den Arbeitnehmern eher als Last anstatt als Chance gesehen. So erhaltet Ihr eine umfangreichere Ausbildung als beim Führerschein und regelmäßige Auffrischungskurse während der Arbeitszeit ;-).

Erste Hilfe Set

Erste_Hilfe_Set
Standortsymbol Erste Hilfe Set [2]

Neben der Ausbildung ist auch ein geeignetes erste Hilfe Set im Notfall unverzichtbar. Im Handel gibt es eine vielzahl verschiedener Sets für Outdoorfans. Der Inhalt reicht je nach Set vom Pflaster bis zum vollständigen sterilen Operationsbesteck. Da der Inhalt, anders als beim PKW oder in Betrieben, nicht vorgeschrieben ist gilt es zu entscheiden was für die eigene Tour wichtig ist und was nicht. So kann in Afrika und Asien steriles medizinisches Material das über die erste Hilfe hinaus geht durchaus von Nutzen sein, so dass der behandelnde Arzt einwandfreies Gerät benutzen kann (Infektionsgefahr!!). Ein Beispiel hierfür ist das carePLUS First Aid Kit Sterile. Eine Rückfrage bei carePLUS ergab, dass dieses Set gerade überarbeitet wird. Wir werden die neue Version im Frühjahr kommenden Jahres im Detail hier auf unserem Blog vorstellen können.

Inhalt_carePLUS_FAK_Compact
Inhalt First Aid Kit Compact

Wir nutzen für das Trekking, Schneeschuhtouren oder zum Mountainbiken das care PLUS First Aid Kit Compact. Das Kit beinhaltet das wichtigste Material zur Wundversorgung wie sterile Kompressen und Wundpflaster (siehe Bild rechts). Zusätzlich ergänzt haben wir noch ein Dreiecktuch, Desinfektionsmittel, Zeckenpinzette und Augentropfen. Aus dem Set entnommen haben wir die Standardpinzette und die umfangreiche, mehrsprachige erste Hilfe Anleitung, die in unseren Augen im Notfall keinen Sinn macht. Durch die Anleitung lässt sich die regelmäßige Ausbildung nicht ersetzen! Um mal zu Hause etwas nachzulesen ist sie aber durchaus brauchbar und steht daher im Regal. 😉

Nun bringt das beste und ausgeklügelste erste Hilfe Set nichts wenn man es nicht dabei hat. Daher sollte es zur Routine werden das Set auch mitzunehmen. Das geht besonders leicht von der Hand wenn man alles kompakt zusammengepackt hat. Sollte man mit einer kleinen Gruppe unterwegs sein kann es ausreichen wenn eine Person ein Set dabei hat. So lässt sich unterwegs noch einmal etwas Gewicht sparen. Achtung ist jedoch geboten wenn sich die Gruppe unterwegs trennen möchte!

Reiseapotheke

Ist man mehrere Tage bis hin zu Wochen unterwegs macht es Sinn neben dem ersten Hilfe Set auch eine gesondert gepackte Reiseapotheke mitzuführen. Wie auch beim erste Hilfe Set richtet sich der Inhalt der Reiseapotheke nach dem Reiseziel und den dortigen regionalen Gefahren.

Unsere Grundausstattung beinhaltet:

  • Schmerztabletten/Fiebersenker (Ibuprofen 500mg)
  • Breitbandantibiotikum (Cefurox Basics 500mg; Rezeptpflichtig! Rücksprache mit dem Arzt!)
  • Antiallergikum (Cetirizin)
  • Wasserdesinfektionsmittel (Micropur Forte)
  • Durchfallhemmer (Loperamid)
  • Abführmittel (Laxans AL)
  • Schmerzgel (Spalt mobil oder Voltaren)
  • Blasenpflaster

Um zu entscheiden was man genau braucht und was nicht ist der beste Ansprechpartner entweder der Hausarzt oder der Apotheker. Oft ist das Mitführen eines einzelnen Tablettenstreifens ausreichend. Dann sollte man sich Notizen zur Dosierung jedoch direkt auf dem Tablettenstreifen notieren.

Zusamenfassung

Welche Gedanken sollte man sich nun während der Tourplanung machen um möglichst gut auf Notfälle vorbereitet zu sein? Hier unsere Empfehlungen. Über Verbesserungsvorschläge freuen wir uns natürlich besonders!

  • Wie lange ist mein letzter erste Hilfe Kurs her? Ggf. auffrischen!
  • Hat mindestens eine Person ein erste Hilfe Set dabei?
  • Ist mein erste Hilfe Set für mein Reiseziel ausreichend?
  • Bin ich in der Lage an möglichst jedem Punkt der Tour einen Notruf abzusetzen? Handyempfang?!
  • Ist meine Reiseapotheke komplett? Abgelaufene Medikamente ersetzen!

Jetzt sollte dem Reisespass nichts im Wege stehen! 🙂

[1]: Quelle: © DRF Luftrettung
[2]: Quelle: http://de.wikipedia.org
[3]: Quelle: http://europa-zentrum.de

2 Responses

  1. […] einigen Wochen habe ich hier bereits einige meiner Gedanken zu den Themen Erste Hilfe und Reiseapotheke zusammengetragen. Damals […]

  2. […] verliert und dadurch die Leistungsfähigkeit rapide abnimmt. Aus diesem Grund haben wir in unserer Reiseapotheke nicht nur ein entsprechendes Medikament gegen Durchfall sondern seit Neustem auch einige Päckchen […]

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